Schlagwort-Archiv: Musik

Orchester warnen vor TTIP: Kultur ist keine Handelsware!

„Wir sind keine Handelsware, TTIP bringt uns in Gefahr!
Ach, Orchester, wunderbare, seid ihr morgen auch noch da?“,

so beginnt der neue Text auf Schillers Ode an die Freude, mit dem mehr als 130 professionelle OrchestermusikerInnen und SängerInnen am 4. Mai in Mainz vor möglichen Gefahren des Transatlantischen Freihandelsabkommens TTIP gewarnt haben, das derzeit geheim verhandelt wird.

Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung (DOV)
Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung (DOV)

Organisiert wurde die Aktion von der Deutschen Orchestervereinigung (DOV). Ihr Geschäftsführer Gerald Mertens dazu:

„Damit fordern wir die zuständigen Politiker auf, bei den Verhandlungen zu den verschiedenen Abkommen die gravierenden Bedenken des Kulturbereichs ernst zu nehmen. Bislang wissen wir nicht, von welchen Regelungen der Kulturbereich konkret betroffen sein wird. Auf der Grundlage von völlig unklaren Fakten kann keine konstruktive und kritische Auseinandersetzung stattfinden. Genau die wollen wir aber führen.“

Die DOV möchte erreichen, dass die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft, die seit 2014 zum immateriellen UNESCO Kulturerbe zählt, von den TTIP-Verhandlungen ausgenommen wird. So heißt es in der Resolution zum Transatlantischen Handelsabkommen, das von den Delegierten der DOV aus über 140 professionellen Konzert- und Opernorchestern, Rundfunkklangkörpern und Profiensembles beschlossen wurde:

„Die EU hat die UNESCO-Konvention zum Schutz der Kulturellen Vielfalt ratifiziert. Das muss dazu führen, dass der öffentlich geförderte Kulturbereich und damit die Orchester und Theater bei künftigen Handelsabkommen nicht jedes Mal von neuem ihren Schutzstatus einfordern müssen. Der Kulturbereich muss von vornherein aus dem Verhandlungsmandat ausgeschlossen sein.“

Weitere Beiträge zum Thema:

Jukka-Pekka Saraste dirigiert Mozart und Bruckner – Konzertaufzeichnung aus der Philharmonie Köln, 2013

Heute Abend sendet 3sat ab 20:15 Uhr den Mitschnitt des Konzerts mit Mozarts Sinfonia concertante Es-dur für Violine, Viola und Orchester, KV 364 mit dem WDR Sinfonieorchester Köln von Ende November vergangenen Jahres.

Die Solisten bei diesem Stück waren WDRSO-Konzertmeister José Maria Blumenschein und der WDRSO-Solo-Bratscher Junichiro Murakami. In einem Interview haben sie von ihren bisherigen Erfahrungen mit dem Stück und über das Konzertieren mit dem eigenen Orchester erzählt.

Anschließend spielt das WDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Jukka-Pekka Saraste die Sinfonie Nr. 3 d-moll (2. Fassung von 1876/77) von Anton Bruckner.

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Bilder: Wikimedia Commons

Klassik vorher-nachher (2): Bach goes America

Melodien sind wie das Wasser – sie finden ihren Weg. So haben viele „klassische“, teils jahrhundertealte Melodien ihren Weg wieder zu uns gefunden. Wie zum Beispiel der Choral O Haupt voll Blut und Wunden aus der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach, der heute vor 329 Jahren geboren wurde:

Seine Melodie aus dem 17. Jahrhundert fand 1973 den Weg in Paul Simons American Tune:

Johann Sebastian Bach ist allerdings nicht Schöpfer der Melodie, er hat sie selbst nur aufgegriffen. Sie gefiel ihm offensichtlich so gut, dass er sie nicht nur in der Matthäuspassion, sondern auch in seinem Weihnachtsoratorium (Wie soll ich dich empfangen) verwendete.

Entsprungen ist die Melodie der Feder des Komponisten Hans Leo Haßler (1564-1612), der sie 1601 im Lustgarten neuer teutscher Gesäng veröffentlichte. Wer sich nun wundert, was ein Choral im Lustgarten zu suchen hat, dem sei verraten, dass die Melodie zur Zeit ihres Ursprungs keinen religiösen, sondern den weltlichen Text Mein G’müt ist mir verwirret, das macht ein Jungfrau zart begleitete:

Die Melodie dieses Liedes über eine unerhörte Liebe fand in Form mehrerer Kirchenlieder Verbreitung (Herzlich tut mich verlangen nach einem sel’gen End, Befiehl du deine Wege). Schon das ursprüngliche Liebeslied ließ auch eine religiöse Interpretation zu, da seine Strophenanfänge nacheinander gelesen den Namen Maria ergeben und das Lied somit auch als Verehrung der Jungfrau Maria gedeutet werden konnte.

Die Gottesmutter hatte Paul Simon wohl nicht im Sinn, als er Haßlers Melodie für seinen Song American Tune adaptierte. Vielmehr nutzt er sie wieder im ursprünglichen Sinne als Untermalung einer nachdenklichen Hymne an sein geliebtes Heimatland, dem einstigen idealen „Land der Verheißung“ für die Pilgrim Fathers, von dessen Idealen in den 70er Jahren (Watergate-Affäre, Vietnamkrieg) nicht mehr allzu viel übrig schien.

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Klassik vorher-nachher (1): Alexander Borodin – Fürst Igor im Paradies

„Das Dvorák -Experiment – Ein ARD-Konzert macht Schule“ | Pressemitteilung ARD Radio & TV

Link: „Das Dvorák -Experiment – Ein ARD-Konzert macht Schule“ | Pressemitteilung ARD Radio & TV

Das klingt spannend! Die ARD stellte gestern ihr neues Projekt vor, bei dem am 19. September Schulklassen der Jahrgangsstufen 5-12 gemeinsam die 9. Sinfonie von Antonín Dvořák via Radio oder bei ARTE Concert als Video-Livestream erleben können:

„Die Sinfonie wird ab 11:15 Uhr live in allen Kulturradioprogrammen der ARD sowie im Deutschlandradio (Digitalkanal “Dokumente und Debatten”) ausgestrahlt“.

Titelseite der handschriftlichen Partitur von Dvořáks 9. Sinfonie

Antonín Dvořák, Sinfonie Nr. 9, Op. 95 (Facsimile) | Quelle: Wikimedia Commons

Das Education-Projekt „Ein ARD-Konzert macht Schule“ soll in Kooperation mit dem Deutschen Musikrat zukünftig regelmäßig angeboten werden. Das Pilotprojekt wird der Norddeutsche Rundfunk mit seinem NDR Sinfonieorchester unter Thomas Hengelbrock realisieren.

Ausführlich vorgestellt wird das Projekt auf der Seite schulkonzert.ard.de, wo auch alle Education-Programme der ARD-Orchester verlinkt sind, wie z. B. die PlanM-Reihe des WDR.

Bereits vorab bieten die ARD-Ensembles Projekte zum Mitmachen an, die sich mit Dvořáks 9. Sinfonie „Aus der neuen Welt“ beschäftigen. Beim WDR wirds dabei jazzig, wenn Musiker der WDR Big Band von ihrem besonderen Zugang zu dieser Sinfonie erzählen. Ob das WDR Sinfonieorchester im Vorfeld dieser Aktion auch beteiligt sein wird, konnte ich noch nicht herausfinden, ich hoffe es allerdings sehr!

WDR Sinfonieorchester: Traumzeiten-Konzerte live und im Stream

Link: WDR Sinfonieorchester: Traumzeiten-Konzerte live und im Stream

Traumzeiten sind die beiden Konzerte überschrieben, die das WDR Sinfonieorchester diese Woche gibt. Benannt sind sie nach dem Stück Dreamtime, einem Konzert für Didgeridoo, Gitarre und Orchester, das der WDR beim Komponisten und Gitarristen Wulfin Lieske, der auch selbst spielen wird, in Auftrag gegeben hat.

Didgeridoo Foto: Steve Evans

Didgeridoo, Foto: Steve Evans

Im zweiten Teil spielt das WDRSO unter der Leitung des japanischen Gastdirigenten Yutaka Sado die 5. Sinfonie von Tschaikowsky. Der WDR bietet auf dieser Website übrigens vielfältige und interessante Begleit- und Vorbereitungsmaterialien für dieses Konzert an.

Die Aufführung am Donnerstag, 19. Dezember, im Rahmen der Education-Reihe PlanM@Philharmonie, wird ab 19 Uhr per Livestream übertragen. Das Wiederholungskonzert am Freitagbend (20.12.) überträgt wie üblich WDR 3 ab 20:05 Uhr live aus der Kölner Philharmonie.

Im Gespräch: Armin Weigert und Johannes Wippermann (Schlagzeuger) – WDR 3

Link: Im Gespräch: Armin Weigert und Johannes Wippermann (Schlagzeuger) – WDR 3

Armin Weigert, Solopauker des Sinfonieorchesters Münster, und der WDRSO-Schlagzeuger Johannes Wippermann im Gespräch über Kuhglocken, Missgeschicke, den Hammerschlag in der 6. Mahler, Ravels Bolero (die Königsdisziplin für Trommler), wie man den Dirigenten ärgern kann sich mit Dirigenten verständigt und über die besondere Herausforderung bei Schostakowitschs Leningrader Sinfonie:

Höchst spannend!

Ins Wochenende mit Mozarts Sinfonia concertante

Ins Wochenende mit …

Mozarts Sinfonia concertante Es-dur für Violine, Viola und Orchester, KV 364, mit der das WDR Sinfonieorchester sein heutiges Konzert „Sinfonie plus – Dialoge“ eröffnen wird.

Mit dem Orchester unter der Leitung von Jukka-Pekka Saraste unterhalten sich dann Konzertmeister José Maria Blumenschein und Solo-Bratscher Junichiro Murakami. In einem Interview haben sie von ihren bisherigen Erfahrungen mit dem Stück und über das Konzertieren mit dem eigenen Orchester erzählt.

Nach der Pause steht die Sinfonie Nr. 3 d-moll (2. Fassung von 1876/77) von Anton Bruckner auf dem Programm.

WDR 3 überträgt das Konzert live ab 20.05 Uhr aus der Kölner Philharmonie.

Das Bläserquintett des WDR Sinfonieorchesters mit „Blech und Literatur“ in Düren

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Das Blechbläserquintett des WDR Sinfonieorchesters bei „Blech und Literatur“ am 21.11.2013 im Stiftischen Gymnasium Düren

Eine Musikstunde ganz besonderer Art konnten die Schülerinnen und Schüler des Stiftischen Gymnasiums in Düren heute morgen erleben. Von 8:40 bis 9:40 Uhr stand Blech und Literatur auf dem Stundenplan.

Das Blechbläserquintett vom WDR Sinfonieorchester Köln war schon zu dieser frühen Morgenstunde bestens aufgelegt und brachte Musik aus Leonard Bernsteins Westside Story zu Gehör.

Gemeinsam mit Eckhard Leue vom WDR-Sprecherensemble begaben sie sich auf die Spuren von Shakespeares Romeo und Julia, die Leonard Bernstein Mitte der 1950-er Jahre als Vorbild für seine Musical-Charaktere Tony und Maria dienten.

Zu Fotostills aus der Romeo-und-Julia-Verfilmung von Baz Luhrman (1996 mit Leonardo DiCaprio und Claire Danes) und der Musical-Verfilmung von Robert Wise und Jerome Robbins (1966 mit Richard Beymer und Natalie Wood) erzählte Eckhard Leue die dramatischen Liebesgeschichten aus Verona und New York. Ergänzt durch englische Dialoge aus Shakespeares Drama wurden die berührenden Geschichten von Liebe und scheinbar unüberwindlichem Hass lebendig und vom jungen Publikum laut beklatscht (Regie und Text: Barbara Engelmann).

v.l.n.r.: Ludwig Rast (Horn), Peter Roth (Trompete), Fred Deitz (Posaune), Peter Mönkediek (Trompete) vom WDR Sinfonieorchester Köln, Eckhard Leue (Sprecher) 

Das Konzert fand im Rahmen der WDR-Education-Reihe Plan M statt und führt(e) die Trompeter Peter Mönkediek und Peter Roth, Hornist Ludwig Rast, Posaunist Fred Deitz und Tubist Hans Nickel vom 18.-22. November durch 10 Schulen in ganz NRW.

Gegen die Fusion der SWR-Orchester: Ein offener Brief von 160 Dirigenten

Link: Gegen die Fusion der SWR-Orchester: Ein offener Brief von 160 Dirigenten

Auf dem Papier sind zwei Orchester schnell fusioniert. Aber wie bei jedem lebenden Organismus, zu denen auch gewachsene Klangkörper zählen, sind Verpflanzungen und Amputationen immer mit Risiken verbunden, deren Kosten die Einsparungen bei Weitem übersteigen könnten.

Jukka-Pekka Saraste, der Chefdirigent des WDR Sinfonieorchesters, zählt zu den UnterzeichnerInnen des Offenen Briefes, mit dem sich 160 Dirigenten und Dirigentinnen gegen die für 2016 geplante Fusion des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg (SO) mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR (RSO) aussprechen.

Offener Brief: WDR Sinfonieorchester Köln zu geplanten Kürzungen an den MuHos Mannheim und Trossingen

Link: Offener Brief: WDR Sinfonieorchester Köln zu geplanten Kürzungen an den MuHos Mannheim und Trossingen

Auszug aus dem Offenen Brief des WDR Sinfonieorchesters Köln an Ministerpräsident Kretschmann zu den geplanten Kürzungen an den Musikhochschulen Mannheim und Trossingen. Unterzeichnet von Chefdirigent Jukka-Pekka Saraste, dem Orchestermanager Siegwald Bütow und den Orchestervorständen Johanne Stadelmann und Michael Geismann:

Das Niveau der Absolventen deutscher Musikhochschulen ist enorm hoch und so ist es kein Wunder, daß diese Absolventen deutscher Musikhochschulen – wie der aus Mannheim oder Trossingen – in Spitzenorchestern weltweit ihren festen Platz gefunden haben. Auch in unserem Orchester gibt es zahlreiche Musiker, die an einer dieser beiden Musikhochschulen ausgebildet worden sind.

Die Vorhaben, die klassische Musikausbildung an zwei Standorten in Baden-Württemberg ganz einzustellen, ist umso unverständlicher, da es sich z. B. in Mannheim um gewachsene Strukturen handelt, die auf eine lange musikgeschichtliche Tradition zurückgehen.