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#fotoprojekt2014 KW 47: Mein Freund der Baum

#fotoprojekt2014 KW 47: „Mein Freund der Baum“ ist jetzt ein Alphorn
#fotoprojekt2014 KW 47: „Mein Freund der Baum“ ist jetzt ein Alphorn

Ein Instrument, das seine Baum-Herkunft am wenigsten verleugnen kann, ist das Alphorn. Seine unten gebogene Form verdankte es ursprünglich tatsächlich Fichten, die am Hang krumm gewachsenen waren. Für den Alphornbau wurden sie geschält und der Länge nach halbiert. Heute wird ein Alphorn meist aus drei zusammensetzbaren Teilen gefertigt, und seine Schallbecherkrümmung entsteht nach zwar regional unterschiedlichen aber genormten Mustern.

Weit schallende Naturklänge

Wie das Naturhorn besteht es nur aus einem langen Rohr ohne Grifflöcher oder Ventile. Daher können auf ihm auch nur die Töne der Naturtonreihe geblasen werden, die manchmal ein wenig „schief“ klingen, aber je nach Umgebung bis zu 10 km weit zu hören sind.

Um unterschiedliche Tonarten spielen zu können, gibt es Alphörner in verschiedenen Längen und unterschiedlichen Grundtönen. Das mit 2,45 m kürzteste Alphorn hat den Grundton C, das längste mit 4,05 m den Grundton Es. Werden mehrere Alphörner zusammen gespielt, sollten alle dieselbe Länge/Tonart haben. Dann klingt der Alphornruf zum Beispiel so:

Alphorn goes Classic

Im klassischen Sinfonieorchester ist das Alphorn noch seltener zu Gast als das Saxophon, um das es hier im Blog zum 200. Geburtstag von Adolphe Sax kürzlich ging (Adolphe Sax und der seltene Gast im Sinfonieorchester). Aber die Welt der klassischen Musik wäre nicht so wunderbar, hätten sich nicht auch ihre Komponisten vom Klang des Alphorns inspirieren lassen. Allen voran Leopold Mozart, der seine Sinfonia pastorella in G für Alphorn und Streicher komponierte:

Den (im wahrsten Sinne des Wortes) romantischen Komponisten Johannes Brahms bewegte der Klang eines Alphorns am 12. September 1868 zu einer Liebesbotschaft per Postkarte an seine unerreichbare Geliebte Clara Schumann: „Also blus das Alphorn heut: Hoch aufm Berg, tief im Thal, grüß ich dich viel tausend mal!“ (hier gibt es ein Bild der Karte). Diese Alphornmelodie verewigte er im letzten Satz seiner 1. Sinfonie. Sein musikalischer Gruß hat also die Zeiten überdauert und erklingt – gespielt vom Solo-Horn – bei jeder Aufführung der Sinfonie. Hier spielen ihn Solo-Hornistin Stefanie Kopetschke und das NDR Sinfonieorchester unter Eiji Oue:

Alphorn goes Jazz

Musiker und Musikerinnen entdeckten das Alphorn aber auch für andere Musikrichtungen. Der russische Musiker Arkady Shilkloper zum Beispiel für den Jazz. Hier ist er bei einem Konzert in Novosibirsk mit dem Stück Torn Bag zu hören:

Auch die Schweizerin Eliana Burki spielt das Alphorn gerne jazzig und funkig und entführt es aus seinem gebirgigen Habitat auch mal an den Strand:

Wie ein Alphorn entsteht, hat der Bayerische Rundfunk in einem Film über die bayerischen Alphornbauer- und -spielerfamilie Biermaier festgehalten:

Das Gaisophon

Alfons Gaisbauer, Hornist im WDR Funkhausorchester, hat auf seiner Website www.alphorn.de nicht nur sehr viel Interessantes über das Alphorn geschrieben, er entwickelte auch das erste Alphorn mit Klappen und taufte es Gaisophon.

Wer noch mehr über das Alphorn wissen möchte, kann beim alphorn-center.de weiterlesen.

Ins Wochenende mit: Bernstein und Brahms

Ins Wochenende mit …

dem ersten Satz der 4. Sinfonie von Johannes Brahms, mit der das WDR Sinfonieorchester sein heutiges Konzert in der Kölner Philharmonie beschließen wird. Unter der Leitung seines jetzigen Chefdirigenten Jukka-Pekka Saraste hat es die Sinfonie bereits im gestrigen Gastkonzert in Viersen aufgeführt.

Neben Brahms stehen heute Abend noch zwei weitere meiner Lieblingskomponisten (s. meine Klassik Top Ten) auf dem Programm:
Leonard Bernstein, dessen Ouvertüre zum Musical Candide der fulminante Einstieg in den Konzertabend wird, und Dmitrij Schostakowitsch, der mit seinem grandiosen Konzert Nr. 1 c-moll für Klavier und Streichorchester mit Trompete op. 35 vertreten ist. Solisten des Abends sind Jean-Yves Thibaudet am Klavier und WDRSO-Solo-Trompeter Peter Mönkediek.

Für alle, die nicht vor Ort dabei sein können, überträgt WDR 3 das Konzert ab 20:05 Uhr live aus der Kölner Philharmonie. Ab morgen kann das Konzert 30 Tage lang im WDR 3 Konzertplayer nachgehört werden. Weitere Infos zu den Stücken und Interpreten sind im Programmheft zu finden.

Wer der englischen Sprache mächtig ist, dem empfehle ich außerdem die großartige Analyse des ersten Satzes von Brahms 4. Sinfonie von Leonard Bernstein:

Morgen gastiert das WDR Sinfonieorchester gemeinsam mit Jean-Yves Thibaudet und Jukka-Pekka Saraste in der Alten Oper Frankfurt. Dann werden Bernsteins Candide-Ouvertüre, Gershwins Concerto in F und die Sinfonie Nr. 7 von Ludwig van Beethoven auf dem Programm stehen. Und als Fan wird – quasi in Vertretung – in ihrem ureigenen Terrain meine liebe Freundin Orchestrasfan zur Stelle sein, der ich schon jetzt einen schönen Konzertabend mit meinem Lieblingsorchester wünsche! 🙂

Happy Hour „mit Trauerrand“ ;-)

»Die neue Symphonie ist so melancholisch, daß Sie es nicht aushalten. Ich habe noch nie so was Trauriges, Molliges geschrieben: die Partitur muß mit Trauerrand erscheinen.«

Johannes Brahms | Quelle: Wikimedia Commons

Keine Sorge! Beim Konzert „Happy Hour – Klassik um Sieben“ am Donnerstag (27. März) müssen nicht die Taschentücher gezückt werden. Johannes Brahms beliebte vor der Veröffentlichung seiner 2. Sinfonie zu scherzen, als er seinen Verleger Fritz Simrock mit obigem Ausspruch in die Irre führte.

Sein Freund Theodor Billroth traf mit seiner Bemerkung nach der Uraufführung  1878 den Charakter der Sinfonie schon genauer:

Das ist ja lauter blauer Himmel, Quellenrieseln, Sonnenschein und kühler grüner Schatten!“

Das WDR Sinfonieorchester spielt die der Sinfonie Nr. 2 D-dur op. 73 von Johannes Brahms unter der Leitung von Jukka-Pekka Saraste. Das Konzert wird moderiert von Uwe Schulz, der sonst auf WDR 2 zu hören ist. Er wurde vom Happy-Hour-Redakteur (welch schöne Berufsbezeichnung) Michael Krügerke schon bestens auf das Konzert vorbereitet und lässt hier schon Spannendes erwarten.

Eine kleine  gratis Kostprobe gibt es am Donnerstag von 12:30-13 Uhr bereits beim PhilharmonieLunch in der Kölner Philharmonie.

Update 27.03.: Nein, gibt es nicht, denn die Kölner Philharmonie wies mich eben darauf hin, dass das WDRSO beim heutigen PhilharmonieLunch die 4. Beethoven probt, die morgen Abend auf dem Programm steht:


Dann gibt es also nur hier eine kleine Kostprobe zum heutigen Konzert 😉 – das WDRSO in einer Aufnahme mit Jukka-Pekka Sarastes Vorgänger Semyon Bychkov mit dem 4. Satz aus der 2. Brahms: