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In memoriam Lorin Maazel

Lorin Maazel (1930–2014)
Lorin Maazel (1930–2014) / Foto: Barbara Haws [GFDL, CC-BY-SA-3.0 oder CC-BY-2.5], Wikimedia Commons
Gestern starb der Dirigent, Violinist und Komponist Lorin Maazel. Die Musikwelt verliert mit ihm einen nicht nur musikalisch vielseitig talentierten Ausnahmekünstler, der bereits mit fünf Jahren Geige spielte, seit seinem siebten Lebensjahr das Dirigieren erlernte und bereits 1939 das Orchester der Interlochen Akademie bei einem Konzert anlässlich der New Yorker Weltausstellung leitete. Er besaß das absolute Gehör, ein fotografisches Gedächtnis und hatte Mathematik, Philosophie und Sprachen studiert.

Zu Beginn seiner beispiellosen Karriere dirigierte er in den Jahren 1958 bis 1960 auch vier Konzerte mit dem damaligen Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester, dem jetzigen WDR Sinfonieorchester Köln:

Konzerte des Kölner-Rundfunk-Sinfonie-Orchesters mit Lorin Maazel
Konzerte des Kölner-Rundfunk-Sinfonie-Orchesters mit Lorin Maazel [aus: Westdeutscher Rundfunk Köln, 50 Jahre Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester]
Der Bayerische Rundfunk würdigt den ehemaligen Chefdirigenten (1993-2002) seines Symphonieorchesters ausführlich, auch im Programm von BR Klassik:

„Zum Tod von Lorin Maazel hat BR-KLASSIK sein Programm geändert: Einen Nachruf hören Sie am 14. Juli ab 6.05 Uhr im Musikmagazin Allegro. Das Panorama widmet sich ab 14.05 Uhr ebenfalls dem großen Musiker. Am 15. Juli gibt es um 13.05 Uhr eine Sonderausgabe vonCantabile, um 14.05 Uhr ebenfalls ein Panorama und um 18.05 Uhr einen Konzertmitschnitt mit Maestro Maazel am Pult. Schließlich porträtiert BR-KLASSIK den großen Dirigenten in einer zweistündigen Sondersendung am 19. Juli ab 14.05 Uhr.“

Gustav Mahler, Sinfonie Nr. 5, Adagietto, Lorin Maazel mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks

“In these confused times, the role of classical music is at the very core of the struggle to reassert cultural and ethical values that have always characterized our country and for which we have traditionally been honored and respected outside our shores.”
Lorin Maazel

 

Remembering Ethel Smyth

Komponistin Ethel Smyth
Ethel Smyth | Quelle: Wikimedia Commons

“Because I have conducted my own operas and love sheep-dogs; because I generally dress in tweeds, and sometimes, at winter afternoon concerts, have even conducted in them; because I was a militant suffragette and seized a chance of beating time to ‘The March of the Women’ from the window of my cell in Holloway Prison with a tooth-brush; because I have written books, spoken speeches, broadcast, and don’t always make sure that my hat is on straight; for these and other equally pertinent reasons, in a certain sense I am well known.” – Dame Ethel Smyth

Heute vor 70 Jahren starb die englische Komponistin, Dirigentin, Schriftstellerin und glühende Sufragette Ethel Smyth. So aufsehenerregend und “well known” sie zu ihrer Zeit war, kennt sie heute leider fast niemand mehr.

Daher zur Erinnerung aus meinen persönlichen Klassik Top Ten der erste Satz aus ihrem Konzert für Violine, Horn und Orchester, gespielt von Saschko Gawriloff (Violine), Marie-Luise Neunecker (Horn) und der NDR Radiophilharmonie unter der Leitung von Uri Mayer (nehme ich an):

Wunderschön ist auch die CD-Einspielung mit Sophie Langdon (Violine), Richard Watkins (Horn) und dem BBC Philharmonic Orchestra unter Odaline de la Martinez.

Wer mehr über das bewegte Leben von Ethel Smyth erfahren möchte, kann bei fembio.org, in der englischen Wikipedia oder im Buch Ein stürmischer Winter – Erinnerungen einer streitbaren englischen Komponistin, herausgegeben von Eva Rieger, nachlesen.

In memoriam Gerd Albrecht

„Das Musikleben kann nur an denen wachsen,

die es permanent in Frage stellen.“ Gerd Albrecht

So wird Gerd Albrecht, der „Schatzgräber auf der Suche nach dem Unbekannten und dem Vergessenen in der Musik, Musikvermittler und engagierte Fürsprecher für die Belange der Jugend“, auf seiner Website zitiert. Vorgestern, am 2. Februar 2014, ist der Dirigent im Alter von 78 Jahren verstorben.

Gerd Albrecht war oft beim WDR zu Gast und widmete sich dabei unter anderem ausführlich dem Werk des böhmischen Komponisten Antonín Dvořák. Mit dem WDR Sinfonieorchester, dem WDR Rundfunkorchester, dem WDR Rundfunkchor und namhaften SolistInnen entriss er mehrere unbekannte Opern Dvořáks dem Vergessen, wie z. B. Die Waldtaube (WDRSO, 1996), Wanda (WDRSO, 2000), König und Köhler (WRO, 2006) und Die Teufelskäthe (WDRSO, 2007).

Einspielungen dieser Produktionen wurden mit dem MIDEM Classical Award für außergewöhnliche Kreativität, Innovation des Repertoires und herausragende künstlerische Leistungen (König und Köhler) und dem Preis der deutschen Schallplattenkritik (Wanda) ausgezeichnet.

Hier ein Ausschnitt aus der Teufelskäthe:

R. I. P. Gerd Albrecht

„Nur für die Musik denken“ – Zum Tod von Claudio Abbado

„Nur für die Musik denken“ – mit diesen Worten von Claudio Abbado endet ein Beitrag zu Ehren seines 80. Geburtstags, den WDR 3 am 26. Juni 2013 sendete. Heute ist der italienische Dirigent, dessen Repertoire von Mozart bis zu zeitgenössischen Komponisten reichte, in Bologna gestorben.

Für die Werke seines Freundes, des Komponisten Luigi Nono (1924-1990), hat er sich besonders engagiert. So auch im Mai 1975, als er mit dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester (dem heutigen WDR Sinfonieorchester Köln) und seinen Gästen die konzertante Fassung von Nonos Oper Al gran sole carico d’amore aus der Taufe hob:

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[aus: Westdeutscher Rundfunk Köln, 50 Jahre Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester, S.125]

Der Spiegel berichtete am 19. Mai 1975 darüber:

„Man muß kein Marxist sein“, urteilte die „FAZ“. „um sich vor Nonos Meisterschaft und Ehrlichkeit zu verneigen.“

Ein Jahr vor der deutschen Bühnenpremiere der Nono-Novität in Nürnberg und vor geplanten Aufführungen in Ost-Berlin, Lissabon und Zagreb sollten am Freitag auch deutsche Hörer das Werk begutachten: Im WDR Köln, Hort langjähriger Nono-Pflege, war unter Leitung Abbados eine vom Komponisten gekürzte Fassung (“Fragmente”) des Zweiakters als bühnenlose Klassenkampf-Kantate einstudiert worden.

Die konzertante Darbietung mit den Gesangssolisten und Tonbändern der Mailänder Premieren, mit einem als Riesen-Schlagzeug besetzten Symphonie-Orchester und 72 Kölner und Stuttgarter Choristen galt einer Komposition, die “mit Schönbergs und Bergs Bühnenwerken auf gleicher Höhe steht” (“Neue Zürcher Zeitung”).

Die Berliner Philharmoniker, deren Chefdirigent Claudio Abbado von 1990-2002 als direkter Nachfolger Herbert von Karajans war, „verneigen sich in tiefer Liebe und Dankbarkeit“ vor ihm:

Wir trauern um einen außerordentlichen Musiker und Menschen. Seine Liebe zur Musik und seine unstillbare Neugier waren uns Inspiration und haben unser musikalisches Schaffen seit seinen ersten Konzerten mit uns im Jahr 1966 geprägt. Wir sind stolz, ihn zu unseren Chefdirigenten zählen zu können und Teil seines musikalischen Erbes zu sein.

Aus der Vielfalt der Nachrufe seien an dieser Stelle die der von ihm gegründeten Ensembles Mahler Chamber Orchestra und Lucerne Festival Orchestra sowie von Tagesschau und der Wochenzeitung Die Zeit herausgegriffen.

Riposi In Pace, Claudio Abbado.