Schlagwort-Archiv: Birthday

Adolphe Sax (1814-1894)

Adolphe Sax und der seltene Gast im Sinfonieorchester

Adolphe Sax (1814-1894)
Adolphe Sax (1814-1894) | Foto: Wikimedia Commons

Wer hier öfters vorbeischaut, wird schon bemerkt haben, dass ich einen ausgeprägten Hang zum Waldhorn habe. Diesem Favoriten folgt auf dem Fuße ein Instrument, das der Instrumentenbauer und Musiker Adolphe Sax, geboren am 6. November 1814 im belgischen Dinant, im Jahr 1842 erfand: das Saxophon.

Einige Komponisten klassischer Musik räumten dem Instrument, das Sax im Jahr 1846 zum Patent anmeldete, sogleich einen Platz in ihren Werken ein. Allerdings blieb das Blechinstrument, das wegen seines Rohrblattmundstücks zu den Holzblasinstrumenten zählt, im Sinfonieorchester eher ein seltener Paradiesvogel.

An seinem wunderbaren Klang, der eine ganze Palette an Ausdrucksmöglichkeiten von Melancholie bis zur heiteren Ausgelassenheit bereithält, kann es wohl nicht gelegen haben. Hier ein paar Beispiele von Komponisten, die die klanglichen Effekte des Neulings einzusetzen wussten:

saxophone Georges Bizet im Intermezzo seiner L’Arlesienne Suite Nr. 2:

saxophone Maurice Ravel und Leopold Stokowski in ihren Orchestrierungen von Modest Mussorgskys Bilder einer Ausstellung – Das alte Schloß:

saxophone Sergeij Rachmaninow in seinen Sinfonischen Tänzen (aus deren erstem Satz übrigens die Erkennungsmelodie der WDR-Wissensshow Quarks & Co. stammt):

Eine umfangreiche Übersicht über Werke für Saxophon in der klassischen Musik gibt es beim International Music Score Library Project (IMSLP): List of Compositions Featuring the Saxophone.

Große Karriere machte das Saxofon statt im klassischen Orchester im Jazz. Aber das ist eine andere Geschichte 😉

„Bridge of Harmony“ im Music Land

Im Jahr 1935 versuchte Walt Disney mit dem Kurzfilm Music Land aus seiner Reihe Silly Symphonies, eine Brücke zu schlagen zwischen dem Land of Symphony und der Isle of Jazz. Die beiden sind getrennt durch die Sea of Discord, und das Verhältnis zwischen der Cello-Königin und dem Saxophon-König ist denkbar schlecht. Ihre Kinder jedoch, die Violin-Prinzessin und der Saxophon-Prinz, die wenig Gefallen an den jeweiligen musikalischen Darbietungen am eigenen Hofe finden, verlieben sich … seht selbst, was das Schicksal und die Partitur von Leigh Harline für sie bereithält:

Noch mehr zu(m) Sax

Interessantes und Wissenswertes zum Saxophon, seinem Erfinder und seiner Rolle in der klassischen Musik:

Zum Sehen:

  • Die Sesamstraße zeigt in etwas mehr als 2 Minuten, wie ein Saxophon entsteht:

Zum Lesen:

Programm 4. Sinfoniekonzert 1952 Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester, Leitung und Solist: Georg Solti

Boldog születésnapot, Georg Solti!

Sir Georg Solti | Foto: CC BY-SA 3.0 Allan Warren
Sir Georg Solti | Foto: CC BY-SA 3.0 Allan Warren

Am 21. Oktober 1912 wurde Georg Solti geboren, „einer der herausragendsten Dirigenten unseres Jahrhunderts und eine führende Gestalt im Musikleben Europas und der Vereinigten Staaten”.

In den 1950er-Jahren dirigierte er öfters auch das ehemalige Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester (heute WDR Sinfonieorchester Köln) und trat mit ihm gemeinsam auch als Klavier-Solist auf. So zum Beispiel im Januar 1952 beim 4. Sinfoniekonzert des Orchesters:

Programm 4. Sinfoniekonzert 1952 Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester, Leitung und Solist: Georg Solti
Programm 4. Sinfoniekonzert 1952 [aus: 50 Jahre Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester]
Hier aus diesem Konzert der zweite Satz aus Mozarts Klavierkonzert d-moll KV 466:

Über das bewegte und musikbegeisterte Leben Georg Soltis berichtete anlässlich seines 100. Geburtstags eine sehr interessante BR-Klassik-Dokumentation, die auch Aufnahmen der Probenarbeit mit ihm zeigt:

http://www.youtube.com/watch?v=TjOr9Bkxc7s

Christoph von Dohnányi | Foto: Xiaofan Luo

Zum 85. Geburtstag von Christoph von Dohnányi

Christoph von Dohnányi | Foto:  Xiaofan Luo
Christoph von Dohnányi | Foto: cc Xiaofan Luo

Der Dirigent Christoph von Dohnányi feiert heute seinen 85. Geburtstag. Von 1964-69 war er Chefdirigent des Kölner-Rundfunk-Sinfonie-Orchesters (KRSO), heute WDR Sinfonieorchester Köln, mit dem er mehr als 250 Aufnahmen für den WDR produzierte.

Zuletzt hat er am 20./21. Februar 2014 mit seinem ehemaligen Orchester in der Kölner Philharmonie Hans Werner Henzes Adagio, Fuge und Mänadentanz aus der Oper „Die Bassariden“ und Anton Bruckners Sinfonie Nr. 4 zur Aufführung gebracht (s. Diese Woche beim WDR Sinfonieorchester: „Seniorchef“ Christoph von Dohnányi).

Vor fünf Jahren hatte ihn David Corkhill, Solo-Pauker des Philharmonia Orchestra, dessen Ehrendirigenten zu seinem Werdegang befragt:

Zum Geburtstag viel Glück und auf viele weitere Jahre, Maestro!

Ois guade zum Gbuadsdog, Anton Bruckner!

Der österreichische Komponist Anton Bruckner (1824-1896)
Anton Bruckner (1824-1896) | Wikimedia

Heute vor 190 Jahren wurde der österreichische Komponist Anton Bruckner geboren.

„Im Leben ein Tölpel, in der Musik eines der großen Genies“,

heißt es über ihn im Naxos-Lexikon ABC der Klassischen Musik.

Karikatur auf Bruckner und seine Kritiker (Eduard Hanslick, Max Kalbeck und Richard Heuberger) von Otto Böhler.
Karikatur auf Bruckner und seine Kritiker (Eduard Hanslick, Max Kalbeck und Richard Heuberger) von Otto Böhler | Wikimedia

Ihm selbst, der als Sohn eines Schulmeisters und Organisten im oberösterreichischen Anstetten zur Welt und daher schon früh mit der Kirchenmusik in Berührung kam, fehlte trotz langjähriger musikalischer Ausbildung Zeitlebens das Selbstvertrauen als Komponist. Er arbeitete seine Sinfonien teils aus dem Gefühl eigener Unvollkommenheit, teils auf Anregung von Dirigenten oder wegen harscher Musikkritiken (seine Sinfonien wurden ab der 2. für unspielbar erklärt)  immer wieder um und nahm teils umfangreiche Änderungen vor. Glücklicherweise wollte er die Originale für spätere Zeiten bewahrt wissen, so dass die ursprünglichen Fassungen seiner Sinfonien wiederhergestellt werden konnten.

Das Orchester als lebende Orgel

Bruckners lange Lehrzeit als Kirchenorganist und sein ausgeprägter katholischer Glauben beeinflussten seinen musikalischen Stil maßgeblich. Das Orchester gliederte er oft in große, homogene Blöcke, so dass es klingt, als ziehe ein Organist die Register an seiner Orgel. Er besetzte vor allem die Blechbläserstimmen mehrfach und erzielte damit einen für seine Zeit unüblichen, kolossalen Orchesterklang.

Komponieren für den lieben Gott

Seine Vorstellung und Behandlung von Zeit in seinen Kompositionen waren ebenfalls neu. Lange ausgehaltene Streicher-Tremoli und Abfolgen von sich ständig wiederholenden musikalischen Motiven lassen seine Werke eher statisch als dynamisch klingen und zwingen die ZuhörerInnen förmlich, innezuhalten. Für Bruckner typisch sind getragene Passagen für die Blechbläser, die wie Choräle ohne Text klingen. So erscheinen seine Sinfonien, die öfters Zitate aus seinen geistlichen Chorwerken enthalten, wie Gebete oder Lobpreisungen. Nicht nur die 9. Sinfonie , die er explizit „der Majestät aller Majestäten, dem lieben Gott“ widmete.

Mit seinen eigenwilligen Werken beeindruckt Bruckner bis heute das Klassikpublikum und fand auch unter berühmten Dirigenten glühende Verehrer, wie beispielsweise Sergiu Celibidache 1:

„Daß es Bruckner gegeben hat, ist für mich das größte Geschenk Gottes.“

Anton Bruckner, Symphonien Nr.1-9, Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester, Günter Wand
Anton Bruckner, Symphonien Nr.1-9, Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester, Günter Wand

Auch Günther Wand zählte zu seinen Anhängern. Der Westdeutsche Rundfunk engagierte ihn 1974, um mit dem damaligen Kölner Rundfunk-Sinfonieorchester (dem jetzigen WDR Sinfonieorchester) die 5. Sinfonie aufzunehmen. Nachdem diese hervorragend gelang, wurde sie auf Schallplatte veröffentlicht und erhielt den Preis der deutschen Schallplattenkritik. Daraufhin spielte Günter Wand mit dem KRSO in den Jahren  1974-1981 sämtliche Sinfonien Bruckners ein und begründete damit sein internationales Ansehen als Bruckner-Interpret. Die Aufnahmen sind noch heute erhältlich. Hier das Scherzo aus der 4. Sinfonie:

Quellenangaben

Stefan Piendl/Thomas Otto (Hg.), Stenographische Umarmung. Sergiu Celibidache beim Wort genommen, ConBrio Verlagsgesellschaft, Regensburg 2002, S. 73

Happy birthday, Herbert Blomstedt!

Herbert Blomstedt / Foto: ks-gasteig.de © Martin U.K. Lengemann
Herbert Blomstedt / Foto: ks-gasteig.de © Martin U.K. Lengemann

Herbert Blomstedt wird heute 87 Jahre alt. Der schwedisch-amerikanische Dirigent war von 1996-98 Chefdirigent des NDR Sinfonieorchesters, und er war und ist auch bei anderen ARD-Rundfunksinfonieorchestern ein oft und sehr gern gesehener Gastdirigent.

Selbst er, der seit 60 Jahren dirigiert, entdeckt auch bei Werken, die er bereits seit seiner Jugend kennt, immer noch Neues, wie er im Februar dieses Jahres anlässlich seiner Konzerte mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks verriet:

„Ich habe noch heute in der Probe Sachen entdeckt, die ich nie früher bemerkt habe“,

berichtet er über das Changieren von Dur und Moll in einer Passage im 3. Satz der dritten Sinfonie von Johannes Brahms:

»Die Musik soll sprechen. Ich sehe meinen Auftrag darin, dass die Musik möglichst viel sagt, ich möglichst wenig.«  — Herbert Blomstedt [Konzertkalender Berliner Philharmoniker]

Happy birthday and many more to come, Maestro!

Klassik vorher-nachher (3): Janáčeks Sinfonietta rocks!

Autograph Janáčeks zu den Fanfaren der Sinfonietta
Autograph der Sinfonietta-Fanfaren | Quelle: Wikipedia

Melodien sind wie das Wasser – sie finden ihren Weg. Und so erreichen manche klassische Melodien auch ein Publikum, das sich selbst nicht zu den Klassikfans zählen würde. Manche Adaptionen sind bereits selbst schon wieder zu Klassikern geworden, wie zum Beispiel der Beginn der Sinfonietta des tschechischen Komponisten Leoš Janáček, der heute vor 160 Jahren geboren wurde, in der Version von Emerson, Lake & Palmer.

Vorher Klassik …

Janáček beschäftigte sich früh mit der Volksmusik seiner Heimat und interessierte sich sehr für den typischen Rhythmus und die Melodie der tschechischen Sprache, die er – ähnlich wie der russische Komponist Modest Mussorgsky – in seinen (Opern-)Melodien vertonte.

Das effektvolle Orchesterwerk Sinfonietta zählt zu Janáčeks bekanntesten und beliebtesten Stücken und hat auch in meinen Klassik Top Ten einen festen Platz. Für dieses Stück erweiterte Janáček die klassische Orchesterbesetzung um zusätzliche Blechblasinstrumente: neben 4 Hörnern sind 12 Trompeten (9 in C, 3 in F), 2 Basstrompeten, 4 Posaunen, 2 Tenortuben und eine Basstuba besetzt und sorgen für den imposanten Einstieg in das fünfsätzige Stück.

Im Auftrag des Sportvereins Sokol, bei dem er Mitglied war und der sich für seinen achten Kongress eine fanfarenartige Eröffnungsmusik wünschte, komponierte Janáček die Sinfonietta im Jahr 1926. Hier spielt sie das WDR Sinfonieorchester in der Kölner Philharmonie unter der Leitung von Jukka-Pekka Saraste:

… nachher Rock

Von diesen fulminanten Klängen ließ sich die britische Progressive-Rock-Band Emerson, Lake & Palmer inspirieren und eröffnete mit ihnen den dritten Titel Knife Edge ihres Debüt-Albums Emerson, Lake and Palmer aus dem Jahr 1970:

Wer genau hinhört, entdeckt auch noch ein wenig Johann Sebastian Bach. Und wer genau hinschaut, erblickt den legendären Moog-Synthesizer in Aktion: den ersten Synthesizer der Musikgeschichte, benannt nach seinem Erfinder Robert Moog, der ihn in Folge seiner Experimente zur Erzeugung elektronischer Musik entwickelt und 1964 auf den Markt gebracht hatte. Keith Emersons Synthesizer hatte er 1968 gebaut.

Von klassischen Melodien ließen sich nicht nur Emerson, Lake & Palmer inspirieren. Sie setzten eine ganze Reihe von Klassikadaptionen fort, die unter anderen die amerikanische Naturwissenschaftlerin, Komponistin und Elektronikmusikerin (und Assistentin von Robert Moog) Wendy Carlos mit dem ersten rein elektronisch produzierten Album Switched-On Bach, veröffentlicht 1968 unter ihrem damaligen Namen Walter Carlos, begonnen hatte.

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Klassik vorher-nachher (2): Bach goes America
Klassik vorher-nachher (1): Alexander Borodin – Fürst Igor im Paradies

Zum 100. Geburtstag von Rafael Kubelík

„Es müssen alle ehrlich miteinander arbeiten. Es steht zwar einer da, der inspirieren soll, aber er kann doch nur dann inspirieren, wenn er bei den anderen völlige Aufgeschlossenheit erreicht hat. Ist sie da, wird er auch von ihnen (den Musikern) inspiriert und kann diese Inspiration zurückgeben. Das setzt aber voraus, daß der andere weiß, was der Dirigent denkt. Nur so erwächst ein gegenseitiges Vertrauen, und das Vertrauen ist das Wichtigste beim Musizieren.“ — Rafael Kubelík 1

Heute vor 100 Jahren wurde Rafael Kubelík geboren. Der Schweizer Dirigent tschechischer Herkunft studierte bereits mit 14 Jahren am Prager Konservatorium und debütierte  als 19-Jähriger am Pult der Tschechischen Philharmonie. Er verließ sein Heimatland nach dem Februarumsturz 1948, suchte zunächst in England Zuflucht und wurde 1967 Schweizer Staatsbürger. Von 1950-53 leitete er das Chicago Symphony Orchestra und von 1955-58 das Royal Opera House Covent Garden in London, bevor er von 1961-79 Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks wurde.

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Ois Guade zum Geburdstog, Richard Strauss!

Ein kleiner Ausschnitt aus der englischen Dokumentation “The Art of Conducting: Great Conductors of the Past“ in dem Richard Strauss 1944 die Wiener Philharmoniker bei seiner sinfonische Dichtung Till Eulenspiegels lustige Streiche dirigiert:

Von den drei Geburtstagskonzerten, die das WDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Andris Nelsons zu Ehren des Geburtstagskinds ins Programm genommen hat, kann das erste vom 6. Juni in der Kölner Philharmonie übrigens im WDR 3 Konzertplayer nachgehört werden (Symphonische Fantasie aus Die Frau ohne Schatten, Konzert d-moll für Violine und Orchester mit Baiba Skride und Also sprach Zarathustra).

Das Konzert, das heute Abend in der Philharmonie Essen gespielt wird (Burleske d-moll für Klavier und Orchester mit Marc-André Hamelin und Sinfonia domestica F-dur op. 53), sendet WDR 3 am kommenden Freitag ab 20:05 Uhr.

Happy birthday, André Previn!

Heute feiert einer der vielseitigsten Musiker, Komponisten und Dirigenten seinen 85. Geburtstag. Da ich ihn schon am Geburtstag von Maurice Ravel zum Taktstock greifen ließ, soll er sich heute zurücklehnen und nochmals den Tribut erleben, der ihm zum 70. unter anderem von Renée Fleming gebracht wurde, als sie ihm zu Ehren I Want Magic aus seiner Oper A Streetcar Named Desire sang:

Wishing you many more happy years to come. Happy birthday, André Previn!

Klassik vorher-nachher (2): Bach goes America

Melodien sind wie das Wasser – sie finden ihren Weg. So haben viele „klassische“, teils jahrhundertealte Melodien ihren Weg wieder zu uns gefunden. Wie zum Beispiel der Choral O Haupt voll Blut und Wunden aus der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach, der heute vor 329 Jahren geboren wurde:

Seine Melodie aus dem 17. Jahrhundert fand 1973 den Weg in Paul Simons American Tune:

Johann Sebastian Bach ist allerdings nicht Schöpfer der Melodie, er hat sie selbst nur aufgegriffen. Sie gefiel ihm offensichtlich so gut, dass er sie nicht nur in der Matthäuspassion, sondern auch in seinem Weihnachtsoratorium (Wie soll ich dich empfangen) verwendete.

Entsprungen ist die Melodie der Feder des Komponisten Hans Leo Haßler (1564-1612), der sie 1601 im Lustgarten neuer teutscher Gesäng veröffentlichte. Wer sich nun wundert, was ein Choral im Lustgarten zu suchen hat, dem sei verraten, dass die Melodie zur Zeit ihres Ursprungs keinen religiösen, sondern den weltlichen Text Mein G’müt ist mir verwirret, das macht ein Jungfrau zart begleitete:

Die Melodie dieses Liedes über eine unerhörte Liebe fand in Form mehrerer Kirchenlieder Verbreitung (Herzlich tut mich verlangen nach einem sel’gen End, Befiehl du deine Wege). Schon das ursprüngliche Liebeslied ließ auch eine religiöse Interpretation zu, da seine Strophenanfänge nacheinander gelesen den Namen Maria ergeben und das Lied somit auch als Verehrung der Jungfrau Maria gedeutet werden konnte.

Die Gottesmutter hatte Paul Simon wohl nicht im Sinn, als er Haßlers Melodie für seinen Song American Tune adaptierte. Vielmehr nutzt er sie wieder im ursprünglichen Sinne als Untermalung einer nachdenklichen Hymne an sein geliebtes Heimatland, dem einstigen idealen „Land der Verheißung“ für die Pilgrim Fathers, von dessen Idealen in den 70er Jahren (Watergate-Affäre, Vietnamkrieg) nicht mehr allzu viel übrig schien.

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Klassik vorher-nachher (1): Alexander Borodin – Fürst Igor im Paradies