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Ins Wochenende mit: Bruckner und Kent Nagano

Das WDR Sinfonieorchester beschließt an diesem Wochenende seine Konzertsaison 2013/14 mit dem Konzert a-moll für Violine und Orchester op. 53 von Antonín Dvořák und der unvollendeten Sinfonie Nr. 9 d-moll von Anton Bruckner. Gestern gab es beim PhilharmonieLunch bereits eine Kostprobe aus dem 3. Satz der Sinfonie, angekündigt vom Manager des WDR Sinfonieorchesters Siegwald Bütow:

 

Solist im Violinkonzert ist der Geiger und Schirmherr der WDRSO-Orchesterakademie Frank Peter Zimmermann. Zu Gast am Pult des Orchesters ist der leidenschaftliche Surfer unter den Stardirigenten Kent Nagano. Hier spricht er im Typisch-Deutsch-Interview der Deutschen Welle, über Pop und klassische Musik, die Wichtigkeit von musikalischer Erziehung und die Besonderheit des deutschen Orchesterklangs:
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Die ultimative Lobhudelei für das WDRSO-Konzert mit Johannes Moser und Jakub Hrůša | Philharmonie Köln, 14.3.2014

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„Kraft der Linie“ war das Konzert des WDR Sinfonieorchesters am 14. März 2014 überschrieben, bei dem Bohuslav Martinu (Toccata e due canzoni), Edward Elgar (Cello-Konzert) und Antonín Dvořák (5. Sinfonie) auf dem Programm standen. Was der Erfinder des Konzerttitels uns damit sagen wollte, erschloss sich mir zwar nicht ganz, da zumindest die beiden ersten Werke eher von Zerissenheit zeugten. Dafür war ich umso erfreuter, als sich am Ende des Abends ein mit kraftvoller Linie geschriebenes Autogramm des Cello-Solisten Johannes Moser in meinem (noch eilig erstandenen) Programmheft fand 🙂 Aber von Anfang an …

In einer sehr spannenden Konzerteinführung versuchte Musikjournalist und WDR-3-Moderator Michael Struck-Schloen den Stücken des Programms und der Kommunikation aller Beteiligten auf der Bühne auf die Spur zu kommen. Er befragte dazu den tschechischen Gastdirigenten Jakub Hrůša und die Solisten des Abends – neben Johannes Moser war das (Orchester-)Pianist Roderick Shaw, der den virtuosen Klavierpart in Bohuslav Martinus Toccata spielte.

„Wer ist der Boss bei Solokonzerten? Der Dirigent oder der Solist?“

Bei der Eingangsfrage waren sich alle Künstler einig, dass die Zeiten, in denen Dirigenten vom Podest herab bestimmen, wie die Musik zu spielen sei, seit Simon Rattle (wie Johannes Moser meinte) bzw. bereits seit Claudio Abbado (wie Struck-Schloen einwarf) vorbei sind. Heutzutage sei alleine die Musik der Boss auf dem Podium und eine gemeinsame Erarbeitung der Stücke üblich, so die übereinstimmende Meinung.

Gerade bei oft gespielten Repertoire-Stücken wie dem Elgar-Konzert sei er persönlich sogar sehr froh über frische Ideen, die ihm Jakub Hrůša dieses Mal vorab bei der Leseprobe vorschlug, erzählte Johannes Moser. Hrůša wiederum betonte, dass er als Dirigent zwar gerne Anregungen der SolistInnen übernehme, allerdings keine Vorstellungen mittragen könne, die sich zu weit vom Kern der Musik entfernen.

360°-Kommunikation

Bei der Frage nach der Kommunikation untereinander und mit dem Publikum herrschte wieder übereinstimmend die Meinung, dass diese Art des miteinander Musizierens eine 360°-Kommunikation erfordere, wie Johannes Moser es formulierte.

Als Solist spreche er zwar zunächst direkt zum Publikum, dürfe aber die gleichzeitigen „Gesprächsfäden“ mit dem Dirigenten und den Orchester-SolistInnen oder -gruppen bei gemeinsamen Passagen nicht verlieren, schilderte Moser anschaulich die Anforderungen während eines Solokonzerts. Auch Roderick Shaw bestätigte, dass er als Orchestermusiker dazu wie auf einem Radarschirm alles verfolge, was um ihn herum geschieht, um sofort reagieren zu können.

Konzerterfahrungen lebendig werden lassen

Bewusst ging Moderator Struck-Schloen nur in Kürze auf Hintergrundinformationen zu den Werken des Abends ein, nachdem er zuvor auf das reichhaltige Informationsmaterial verwiesen hatte, das im Web und im Programmheft zu finden sei. Stattdessen ließ er die Künstler ausführlich zu Wort kommen und über ihre Herangehensweise an die Stücke berichten.

Daher geriet die Konzerteinführung sehr spannend und kurzweilig. Auf die oft gestellte Frage nach den Ritualen vor Konzertbeginn erfuhren wir von Johannes Moser zum Beispiel, dass er sich vor allem sehr genau die Örtlichkeiten vor dem Auftritt vorstellt, damit sein Cello in der Kölner Philharmonie zum Beispiel nicht als Erstes unangenehme Bekanntschaft mit dem Bühnengeländer macht oder er im Concertgebouw in Amsterdam nicht die „Showtreppe“ herunterfällt.

Mir hat der Werkstattcharakter dieses Gesprächs sehr gut gefallen, zumal ich überzeugt bin, dass diejenigen, die zu Konzerteinführungen gehen, mit der musikalischen Materie meist ohnehin schon vertraut sind. Auf diese Weise erfuhren aber auch sie sicher Neues.

War noch was?

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Bevor „der Boss“ hier noch gänzlich zu kurz kommt 😉 Abgesehen davon, dass das Konzert für einige im Publikum offensichtlich zu lang war – eine Befürchtung, die auch Jakub Hrůša dem Konzertmeister zuraunte, als er vor dem letzten Satz der Dvorak-Sinfonie abwartete, bis eine kleine Karawane den Saal verlassen hatte – war der Abend ein wirkliches Erlebnis.

Jakub Hrůša war ein perfekter Moderator, um im Kommunikationsbild zu bleiben. Es gelang ihm, sowohl bei Martinus Toccata, wie auch bei Elgars Cello-Konzert, allen Gesprächspartnern im Orchester genügend Raum zu lassen und alle Gesprächsfäden der eher sperrigen Stücke immer fest in der Hand zu halten. Die Rundum-Kommunikation gelang ihm scheinbar mühelos. Vor allem im Zusammenspiel mit Johannes Moser, der ihm zuvor scherzhaft-ironisch „Viel Spaß!“ beim Dirigat des Cello-Konzerts gewünscht hatte, das vor plötzlichen Stimmungs- und heikler Temposchwankungen nur so strotzt. Solist und Dirigent entwickelten sich beim gemeinsamen Spiel zum Dreamteam und rissen das Orchester – stellenweise zu seiner eigenen Überraschung, wie es schien – einfach mit.

Johannes Moser hatte in Köln ein Heimspiel. Da er an der Musikhochschule unterrichtet, war auch die Dichte cellospielender Menschen im Publikum entsprechend hoch. Schon mit den ersten warmen Klängen, die er seinem Guarneri-Cello entlockte, verzauberte er das Publikum und schaffte es, mit seiner unglaublich vielfältigen und nuancierten Palette an Ausdrucksmöglichkeiten, Elgars Nachkriegsverzweiflung, die er in seinem Cello-Konzert in Töne setzte, beeindruckend zum Klingen zu bringen. Da kam die frühe Schule im gesangsgeprägten, musikalischen Elternhaus deutlich zur Geltung.

Gäbe es ein sinfonisches Pendant für die Drama Queen der Oper – erst kürzlich bei ARTE eindrucksvoll vorgestellt von Joyce DiDonato –, wäre Johannes Moser definitiv ein Anwärter fürs Treppchen des männlichen Pendants. Und zwar im allerbesten Sinne, denn Emotionen in dieser Echtheit präsentieren zu können, setzt nicht nur die perfekte Beherrschung der Technik, sondern vor allem große Sensibiliät und Empathie voraus. Wie direkt er dabei mit dem Publikum kommuniziert, wurde auch in der faszinierenden Bach-Zugabe deutlich, bei der sein Dreifach-Pianissimo-Spiel tatsächlich für absolute Stille im Saal sorgte und sich selbst auf die Huster im Publikum übertrug.

Last but not least!

Mit Antonín Dvořáks selten bis nie gespielter Sinfonie Nr. 5 krönten das WDR Sinfonieorchester und Jakub Hrůša diesen bis dahin schon wunderbaren Abend. Das Orchester und seine Solisten waren nicht nur bestens päpariert, sie ließen sich auch von der Spielfreude seines jugendlichen Dirigenten anstecken, der die tscheschischen Melodien Dvořáks herrlich rustikal hervorzauberte. Und so endete das Konzert mit fulminantem Musikantentum at its best!

Wer sich selber davon überzeugen möchte, kann das Konzert im WDR 3 Konzertplayer nachhören.

PS: Apropos ultimative Lobhudelei* …

Die beherrscht Johannes Moser alias @jmothecellist übrigens auch 😉

Da kann ich nur sagen: Vielen Dank für die Blumen 🙂 Nice to meet you, too & come back soon!

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* frei nach Zimmer frei!

Ins Wochenende mit: Elgar

Ins Wochenende mit …

einem Ausschnitt aus dem ersten Satz des Konzerts e-moll für Violoncello und Orchester op. 85 von Edward Elgar. Hier gespielt von der unvergessenen Jaqueline du Pré begleitet vom Philharmonia Orchestra unter Daniel Barenboim.

Zu hören ist das Konzert heute Abend live in der Kölner Philharmonie, interpretiert vom Cellisten Johannes Moser, der diese Woche zu Gast beim WDR Sinfonieorchester ist.

Umrahmt wird das Cellokonzert von der Toccata e due canzoni für Kammerorchester von Bohuslav Martinu und der Sinfonie Nr. 5 F-dur op. 76 von Antonín Dvořák. Am Pult des WDRSO steht diese Woche der tschechische Dirigent Jakub Hrůša.

WDR 3 überträgt das Konzert „Sinfonieplus – Kraft der Linie“ ab 20:05 live. Anschließend kann es 30 Tage lang im WDR 3 Konzertplayer nachgehört werden. Mehr Infos zum Konzert stehen hier im Programmheft.

„Das Dvorák -Experiment – Ein ARD-Konzert macht Schule“ | Pressemitteilung ARD Radio & TV

Link: „Das Dvorák -Experiment – Ein ARD-Konzert macht Schule“ | Pressemitteilung ARD Radio & TV

Das klingt spannend! Die ARD stellte gestern ihr neues Projekt vor, bei dem am 19. September Schulklassen der Jahrgangsstufen 5-12 gemeinsam die 9. Sinfonie von Antonín Dvořák via Radio oder bei ARTE Concert als Video-Livestream erleben können:

„Die Sinfonie wird ab 11:15 Uhr live in allen Kulturradioprogrammen der ARD sowie im Deutschlandradio (Digitalkanal “Dokumente und Debatten”) ausgestrahlt“.

Titelseite der handschriftlichen Partitur von Dvořáks 9. Sinfonie

Antonín Dvořák, Sinfonie Nr. 9, Op. 95 (Facsimile) | Quelle: Wikimedia Commons

Das Education-Projekt „Ein ARD-Konzert macht Schule“ soll in Kooperation mit dem Deutschen Musikrat zukünftig regelmäßig angeboten werden. Das Pilotprojekt wird der Norddeutsche Rundfunk mit seinem NDR Sinfonieorchester unter Thomas Hengelbrock realisieren.

Ausführlich vorgestellt wird das Projekt auf der Seite schulkonzert.ard.de, wo auch alle Education-Programme der ARD-Orchester verlinkt sind, wie z. B. die PlanM-Reihe des WDR.

Bereits vorab bieten die ARD-Ensembles Projekte zum Mitmachen an, die sich mit Dvořáks 9. Sinfonie „Aus der neuen Welt“ beschäftigen. Beim WDR wirds dabei jazzig, wenn Musiker der WDR Big Band von ihrem besonderen Zugang zu dieser Sinfonie erzählen. Ob das WDR Sinfonieorchester im Vorfeld dieser Aktion auch beteiligt sein wird, konnte ich noch nicht herausfinden, ich hoffe es allerdings sehr!