Zum 100. Geburtstag von Rafael Kubelík

„Es müssen alle ehrlich miteinander arbeiten. Es steht zwar einer da, der inspirieren soll, aber er kann doch nur dann inspirieren, wenn er bei den anderen völlige Aufgeschlossenheit erreicht hat. Ist sie da, wird er auch von ihnen (den Musikern) inspiriert und kann diese Inspiration zurückgeben. Das setzt aber voraus, daß der andere weiß, was der Dirigent denkt. Nur so erwächst ein gegenseitiges Vertrauen, und das Vertrauen ist das Wichtigste beim Musizieren.“ — Rafael Kubelík 1

Heute vor 100 Jahren wurde Rafael Kubelík geboren. Der Schweizer Dirigent tschechischer Herkunft studierte bereits mit 14 Jahren am Prager Konservatorium und debütierte  als 19-Jähriger am Pult der Tschechischen Philharmonie. Er verließ sein Heimatland nach dem Februarumsturz 1948, suchte zunächst in England Zuflucht und wurde 1967 Schweizer Staatsbürger. Von 1950-53 leitete er das Chicago Symphony Orchestra und von 1955-58 das Royal Opera House Covent Garden in London, bevor er von 1961-79 Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks wurde.

Regelmäßiger Gast beim Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester

In dieser Zeit war Rafael Kubelík auch regelmäßig zu Gast beim WDR Sinfonieorchester, das damals noch Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester hieß. Von 1960-1976 konzertierte er mit den Kölner Radiosinfonikern regelmäßig in Köln und bei Gastspielen im Ausland. Fast immer standen dabei auch Werke der sogenannten Modernen Musik auf dem Programm, wie z. B. Arnold Schönbergs unvollendetes Oratorium Die Jakobsleiter, das er bei den Wiener Festwochen am 16. Juni 1961 dirigierte, wie auch Anfang 1962 in Berlin, München, Mailand und Zürich.

Uraufführungen

Gemeinsam mit dem Kölner-Rundfunk-Sinfonieorchester brachte Rafael Kubelík fremde und eigene Werke zur Uraufführung. Am 25. Januar 1963 dirigierte er die Uraufführung der 8. Sinfonie von Karl Amadeus Hartmann, die dieser im Auftrag des WDR komponierte.

Im 2. Sinfoniekonzert der Saison 1963/64 fand in Köln am 18. Oktober 1963 neben der Aufführung von Mendelssohns Reformationssinfonie die Uraufführung von Kubelíks Requiem für Chor, Sprechchor, Knabenchor und Orchester Libera nos mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks, dem Kölner Rundfunkchor, dem Kammersprechchor Zürich und der Knabenschola des Kölner Domchors statt.

Zum 20-jährigen Bestehen des Kölner Rundfunkchores wurde ein weiteres Werk Kubelíks in Köln aus der Taufe gehoben. Unter der Leitung von Herbert Schernus wurde am 20. September 1968 das Stabat Mater für Sopran (Solistin war Nancy Burns), gemischten Chor und Kammerorchester uraufgeführt.

Beim letzten Konzert Rafael Kubelíks mit dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester am 13. Februar 1976 stand nochmals eine Stabat-Mater-Vertonung auf dem Programm. Gemeinsam mit dem Solisten-Quartett Helen Donath, Birgit Finnilä, Dieter Ellenbeck und Harald Stamm, dem Chor des Bayerischen Rundfunks und dem Kölner Rundfunkchor brachte Kubelík das Stabat Mater von Antonín Dvořák zur Aufführung.

1985 musste Rafael Kubelík das Dirigieren aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Nur einmal kehrte er ans Pult zurück: Nach der samtenen Revolution dirigierte er 1990 auf Einladung von Vaclav Havel beim Internationalen Musikfestival Prager Frühling, das er selbst initiiert hatte, die Tschechische Philharmonie bei der Aufführung von Bedřich Smetanas Mein Vaterland:

Musik ist meine Heimat

Rafael Kubelík starb am 11. August 1996 in Kastanienbaum (Kanton Luzern) und fand seine letzte Ruhestätte auf dem Vyšehrader Friedhof in Prag. 2005 drehte Reiner E. Moritz den Dokumentarfilm Rafael Kubelík – Music is my country: A Portrait, in dem u. a. Elsie und Martin Kubelík, Daniel Barenboim und Albert Scharf zu Wort kommen und an den großen Musiker und Dirigenten erinnern:

Literaturangaben

1. aus Renate Ulm (Hg.), Rafael Kubelíks „Goldenes Zeitalter“. Die Münchner Jahre 1961-1985, Kassel, 2006. S. 56

ist die Musikwissenschaftlerin und Kulturprojektmanagerin Birgit Schmidt-Hurtienne. Als WDRSOfan schreibt sie privat über Konzerterlebnisse und die wunderbare Welt der klassischen Musik und wird für die Beiträge dieses Blogs weder beauftragt noch bezahlt. Wer sie für Artikel und (Blog-)Projekte buchen möchte, findet ihre Angebotspalette aus Projektmanagement, Text- und Webdienstleistungen unter: Kulturwirtschaftswege.de

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