„Nur für die Musik denken“ – Zum Tod von Claudio Abbado

„Nur für die Musik denken“ – mit diesen Worten von Claudio Abbado endet ein Beitrag zu Ehren seines 80. Geburtstags, den WDR 3 am 26. Juni 2013 sendete. Heute ist der italienische Dirigent, dessen Repertoire von Mozart bis zu zeitgenössischen Komponisten reichte, in Bologna gestorben.

Für die Werke seines Freundes, des Komponisten Luigi Nono (1924-1990), hat er sich besonders engagiert. So auch im Mai 1975, als er mit dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester (dem heutigen WDR Sinfonieorchester Köln) und seinen Gästen die konzertante Fassung von Nonos Oper Al gran sole carico d’amore aus der Taufe hob:

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[aus: Westdeutscher Rundfunk Köln, 50 Jahre Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester, S.125]

Der Spiegel berichtete am 19. Mai 1975 darüber:

„Man muß kein Marxist sein“, urteilte die „FAZ“. „um sich vor Nonos Meisterschaft und Ehrlichkeit zu verneigen.“

Ein Jahr vor der deutschen Bühnenpremiere der Nono-Novität in Nürnberg und vor geplanten Aufführungen in Ost-Berlin, Lissabon und Zagreb sollten am Freitag auch deutsche Hörer das Werk begutachten: Im WDR Köln, Hort langjähriger Nono-Pflege, war unter Leitung Abbados eine vom Komponisten gekürzte Fassung (“Fragmente”) des Zweiakters als bühnenlose Klassenkampf-Kantate einstudiert worden.

Die konzertante Darbietung mit den Gesangssolisten und Tonbändern der Mailänder Premieren, mit einem als Riesen-Schlagzeug besetzten Symphonie-Orchester und 72 Kölner und Stuttgarter Choristen galt einer Komposition, die “mit Schönbergs und Bergs Bühnenwerken auf gleicher Höhe steht” (“Neue Zürcher Zeitung”).

Die Berliner Philharmoniker, deren Chefdirigent Claudio Abbado von 1990-2002 als direkter Nachfolger Herbert von Karajans war, „verneigen sich in tiefer Liebe und Dankbarkeit“ vor ihm:

Wir trauern um einen außerordentlichen Musiker und Menschen. Seine Liebe zur Musik und seine unstillbare Neugier waren uns Inspiration und haben unser musikalisches Schaffen seit seinen ersten Konzerten mit uns im Jahr 1966 geprägt. Wir sind stolz, ihn zu unseren Chefdirigenten zählen zu können und Teil seines musikalischen Erbes zu sein.

Aus der Vielfalt der Nachrufe seien an dieser Stelle die der von ihm gegründeten Ensembles Mahler Chamber Orchestra und Lucerne Festival Orchestra sowie von Tagesschau und der Wochenzeitung Die Zeit herausgegriffen.

Riposi In Pace, Claudio Abbado.

ist die Musikwissenschaftlerin und Kulturprojektmanagerin Birgit Schmidt-Hurtienne. Als WDRSOfan schreibt sie privat über Konzerterlebnisse und die wunderbare Welt der klassischen Musik und wird für die Beiträge dieses Blogs weder beauftragt noch bezahlt. Wer sie für Artikel und (Blog-)Projekte buchen möchte, findet ihre Angebotspalette aus Projektmanagement, Text- und Webdienstleistungen unter: Kulturwirtschaftswege.de

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