Kategorie-Archiv: WDRSO Konzerte

Beiträge und Kritiken zu WDRSO-Konzerten

Eurovision Young Musicians Contest: Fragwürdig oder nötig?

Foto: © WDR/Claus Langer

Am 3. September 2016 begleitete das WDR Sinfonieorchesters das Finale des Wettbewerbs Eurovision Young Musicians (EYM) 2016. Der Wettbewerb für europäische Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren wird seit 1982 von der European Broadcasting Union organisiert.

Wie schon vor zwei Jahren übertrug der WDR das Konzert im Fernsehen und auf WDR 3. Auf dem Roncalliplatz genossen im Schatten des Kölner Doms mehrere Tausend Menschen das zweistündige Konzert, das auf der EYM-Website im Livestream zu sehen war. Bei Twitter wurde das Konzert ebenfalls verfolgt und so lebhaft kommentiert, dass der Hashtag #EYM16 zeitweilig die Twitter-Trends in Deutschland anführte:

Im Gegensatz zum Eurovision Song Contest entscheidet beim EYM nicht das Publikum, sondern eine Fachjury über die drei Preisträger*innen. Beim diesjährigen Wettbewerb gewannen der polnische Saxophonist Łukasz Dyczko, der tschechische Pianist Robert Bílý und der Kontrabassist Dominik Wagner aus Österreich. Łukasz Dyczko erhält als Preisgeld 10.000 Euro, gestiftet von der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, und er darf nochmals mit dem WDR Sinfonieorchester auftreten.

Bei der Integration von Social Media geht noch was!

Ich habe das Konzert im WDR Fernsehen verfolgt und mich als passionierte Twitterin sogleich über die um 15 Minuten zeitversetzte Übertragung geärgert, die mich von einer Teilnahme an der regen Twitter-Diskussion ausschloss. Allerdings zähle ich mich mit meiner Vorliebe, mich über klassische Konzerte, die ich nicht live vor Ort erleben kann, während der Übertragung via Twitter mit anderen Interessierten auszutauschen – wie zuletzt beim formidablen hrSO-Open-Air-Konzert (#hrSOpenAir) geschehen – durchaus zu einer Minderheit. Diese Kritik sei also geschenkt.

Grundsätzlichere Dinge kritisiert allerdings Guido Krawinkel in seinem Artikel bei Musik heute, in dem er das Eurovision Young Musicians-Finale in Köln für fragwürdig hält und konstatiert: „Auf der Strecke blieb dabei die Glaubwürdigkeit der klassischen Musik.“

Fragwürdiger Wettbewerb?

Nanu? Diesen Eindruck hatte ich allerdings überhaupt nicht. Die Glaubwürdigkeit der klassischen Musik sehe ich persönlich – mit Verlaub – eher bei einem klassischen Konzert mit David Garrett als Solist in Gefahr, als beim Eurovision Young Musicians Contest.

Natürlich lässt sich die Art und Weise, wie dieser Wettbewerb ausgetragen wird, kritisieren. Man kann sich darüber streiten, ob vom Co-Moderator Daniel Hope zur Eröffnung „Geigenschnulzen“ vorgetragen werden sollten. Oder ob akrobatische Kunststücke mit oder ohne Instrument ins Programm gehören.

Ich hätte allerdings nach über hundertjährigen Errungenschaften der Musikethnologie nicht erwartet, dass die Darbietung der Meditation aus Thaïs des kroatischen Teilnehmers auf „bestenfalls folkloristischem Instrumentarium“ kritisiert wird und das Antreten gegen „unterschiedlichste klassische Konzertinstrumente“ thematisiert wird. Ich habe es stets als ganz besonderes Kennzeichen klassischer Musik erlebt, dass es keine Rolle spielt, ob ihre Melodien auf den „richtigen“ Instrumenten dargebracht werden, um Menschen zu berühren. Das kann selbst dann gelingen, wenn sie im Zirkuszelt auf einer singenden Säge erklingen, denn es kommt allein auf den Menschen hinter dem Instrument an, ob das Publikum erreicht wird oder nicht. Und um die Musik ging es dann doch hauptsächlich beim EYM-Finale. (Klassik-)Zirkus hin oder her.

Unseriöses Vorgehen?

Guido Krawinkel moniert weiters:

„Über Sieg und Niederlage musste die überaus prominent besetzte Jury in Köln nach gerade einmal sechsminütigen Vorträgen richten, die Open Air und elektronisch verstärkt absolviert wurden. Die Teilnehmer traten allen Ernstes mit so diametral unterschiedlichen Stücken wie einer Bearbeitung der ‚Meditation’ aus Jules Massenets Oper ‚Thaïs’ und der Carmen-Fantasie von Franz Waxman gegeneinander an. Letztendlich wurden hier Äpfel mit Birnen verglichen, ein im klassischen Bereich höchst ungewöhnlicher, um nicht zu sagen unseriöser Weg.“

Naja, hochkarätige Profi-Musiker*innen sind genau dazu in der Lage: innerhalb kurzer Zeit eine musikalische Darbietung beurteilen zu können. Nichts anderes tun sie auch beim Unterrichten. Und natürlich können sie auch Äpfel von Birnen unterscheiden und beurteilen, ob eine Birne Helene genauso gut serviert wird, wie ein Apfelkuchen, um im Bild zu bleiben. Es ging doch um die Musikalität und Darbietung bei Aufführungen klassischer Musik. Äpfel und Birnen wären es im Übrigen eher gewesen, wenn die jungen Künstler*innen Schlager interpretiert hätten.

Sichtbare und unsichtbare Klassik-„Wettbewerbe“

Selbstverständlich gibt es „seriösere“ Klassik-Wettbewerbe für junge Musizierende. So zum Beispiel den ebenfalls gerade stattfindenden Internationalen Musikwettbewerb der ARD. Aber diese Wettbewerbe finden meist hinter verschlossenen Türen statt. Es erfahren nur wirklich Interessierte davon, die nach Informationen dazu suchen oder zufällig darüber stolpern. Der Eurovision Young Musicians Contest ist dagegen für ein breiteres Publikum sichtbar. Und genau das finde ich heute wichtiger denn je. Warum sollen junge Menschen, die sich von Gleichaltrigen dadurch unterscheiden, dass sie sich stundenlang dem Üben ihres Instruments und der klassischen Musik widmen, nicht auch eine Plattform im Mainstream-TV erhalten? Sollen sie lieber niveauvoll unsichtbar bleiben? Warum sollen sie nicht das TV-Niveau für zwei Stunden heben dürfen? Zumal eine „Wiederholungsgefahr“ höchstens alle paar Jahre besteht?

Der EYM vor und hinter den Kulissen

Ja, es war eine Show-Veranstaltung, auch im übertragenen Sinne. Aber im Gegensatz zu Superstar-Veranstaltungen, bei denen Juroren wie Dieter Bohlen den Daumen heben oder senken, haben die Teilnehmenden während ihres Aufenthalts in Köln bei Proben mit dem WDR Sinfonieorchester Erfahrungen mit einem der renommiertesten deutschen Radio-Sinfonieorchester sammeln dürfen. Ich bin mir sicher, dass die Begegnung und Zusammenarbeit mit den Orchestermusiker*innen und die Auftrittsmöglichkeit in diesem Rahmen, inklusive Übertragung in TV und Radio, zu den bleibenden Erlebnissen auf dem musikalischen Weg dieser jungen Menschen gehören werden. So oder so 😉

„Als ernstzunehmenden Wettbewerb kann man den EYM wohl kaum bezeichnen,“ schließt Guido Krawinkel. Tatsächlich nicht? Zumindest beim diesjährigen Jury-Vorsitzenden Julian Rachlin wurde seine EYM-Auszeichnung offensichtlich doch von einigen ernst genommen:

„1988 wurde ihm der ‚Eurovision Young Musician of the Year“-Preis verliehen, worauf eine Einladung zu einem Auftritt bei den Berliner Festspielen unter dem Dirigenten Lorin Maazel folgte. Unmittelbar darauf trat er mit den Wiener Philharmonikern unter dem Dirigenten Riccardo Muti auf — als bis dahin jüngster Solist. Während seiner darauf folgenden Karriere arbeitete Rachlin mit diversen namhaften Dirigenten in Europa und den USA zusammen […].“1

Zudem nehme ich an, dass die Teilnehmenden genau einordnen können, welchem Zweck welcher Wettbewerb dient.

Vielleicht wird der EYM-Drittplatzierte Dominik Wagner von seiner Teilnahme am ARD-Wettbewerb einen Tag später beruflich mehr profitieren als vom EYM. Aber wer außer den „Klassiknerds“ kennt denn bitteschön den ARD-Wettbewerb? Und selbst wenn der EYM ein „Show-Wettbewerb“ ist, lassen sich denn nicht auch hierbei wertvolle Erfahrungen sammeln? Ob der Gewinn beim EYM-Contest nur für Julian Rachlin nicht folgenlos geblieben ist, könnte Musik heute ja mal recherchieren.

Klassische Musik muss raus aus dem Feuilleton!

Es geht nicht darum, die Glaubwürdigkeit der klassischen Musik zu bewahren, es geht darum, dass sie überhaupt (noch) im Bewusstsein der „breiten Masse“ stattfindet.

Es gibt sehr viele Jugendliche, die mit Leidenschaft klassische Musik machen. Sie können nur nicht wahrgenommen werden, weil sie nirgendwo sichtbar werden. Damit möglichst viele Menschen ihre Kunst sehen, hören und miterleben können, gönne ich diesen jungen Künstler*innen möglichst viele und große Bühnen. Auch eine große Show-Bühne im Schatten des Kölner Doms mit einem Deckmäntelchen namens Wettbewerb.

Was ich an Veranstaltungen wie diesen kritisiere, sind Lippenbekenntnisse derjenigen aus Politik und Medien, die bei solchen und ähnlichen Anlässen von „Kulturauftrag“ reden, sich im kulturpolitischen Alltag aber nicht dafür einsetzen, dass dieser in Sonntagsreden als notwendig erachtete Kulturauftrag über ein Minimum hinaus erfüllt werden kann.

Die Glaubwürdigkeit der Klassik steht in meinen Augen nicht wegen EYM- oder anderen gerne kritisierten Klassik-Open-Air-Veranstaltungen, wie z. B. dem hrSO Open Air, das auf Facebook diskutiert wurde, auf dem Spiel. Sie wird von all jenen in Frage gestellt, die sich in entscheidenden (meinungs-)politischen Positionen nicht in der Verantwortung sehen, sich vehement für optimale musikalische Bildung und den Erhalt unserer Orchester- und Kulturlandschaft einzusetzen. Der Untergang der klassischen Musik droht aber gewiss nicht, weil ein kroatischer Bub auf großer Show-Bühne statt mit der Geige mit einer Tambura die Herzen seines Publikums erreicht.

  1. Wikipedia []

Jukka-Pekka Saraste bleibt Chef beim WDR Sinfonieorchester Köln

„Die Arbeit mit einem Orchester beruht heutzutage auf wechselseitigem Einvernehmen zwischen Dirigent und den Musikern. Das Bewusstsein für die gemeinsame Verantwortung ist gewachsen“,

so heißt es im Buch Kapellimestari1, das Jukka-Pekka Saraste gemeinsam mit Pekka Tarkka verfasst hat.2

Chefdirigent des WDR Sinfonieorchesters Jukka-Pekka Saraste und Orchestermanager Siegwald Bütow © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0
Chefdirigent des WDR Sinfonieorchesters Jukka-Pekka Saraste und Orchestermanager Siegwald Bütow | © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Um das wechselseitige Einvernehmen zwischen dem WDR Sinfonieorchester und seinem finnischen Chefdirigenten scheint es ausnehmend gut bestellt zu sein, denn Jukka-Pekka Saraste hat seinen Vertrag um weitere drei Jahre verlängert. Er bleibt dem Orchester und seinem lokalen, nationalen und weltweiten Publikum einschließlich der Konzertsaison 2018/19 erhalten.

Seit 2010 ist Jukka-Pekka Saraste bereits Chefdirigent beim WDR Sinfonierorchester Köln. Für die kommende Saison sind Konzertreisen zu den Festivals in San Sebastián  (Brahms/Bruckner), im Rheingau (Sibelius Lemminkäinen-Suite) und zum Beethovenfest Bonn geplant. Auch ein weiteres dreitägiges Gastspiel des Orchesters im Großen Festspielhaus Salzburg ist geplant. Zunächst kommt aber das Publikum in China und Südkorea zu Beginn der neuen Saison in den Genuss eines Brahms-Zyklus.
Selbstverständlich feiern Orchester und Chefdirigent mit einem Sibelius-Zyklus auch den Geburtstag des finnischen Komponisten, der sich am 8. Dezember zum 150. Mal jährt.
Was in der Konzertsaison 2015/16 noch alles auf dem Programm steht, verrät die neue Saisonbroschüre:

WDR Sinfonieorchester Köln Saisonbroschüre 2015/16
WDR Sinfonieorchester Köln Saisonbroschüre 2015/16

Um ein ebenso schiefes Bild zu verwenden, wie WDR-Hörfunkdirektorin Valerie Weber in der Pressemitteilung zur Vertragsverlängerung („Man sagt ja oft: man soll dann aufhören, wenn es am Schönsten ist. Und genau aus diesem Grund machen wir weiter.“ [?!]3 ), gratuliere ich dem WDR Sinfonieorchester und Jukka-Pekka Saraste zur weiteren gemeinsamen Zusammenarbeit mit dem Scherzo aus der 3. Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Zum dritten Satz der Sinfonie heißt es bei Wikipedia4:

„Bis zum Takt 93 strömte alles im Pianissimo dahin, wodurch beim Hörer das unaufhörliche und laufende Gefühl einer Gespanntheit und das Warten auf eine Überraschung entstand.“

Eine Überraschung war die Vertragsverlängerung zwar nicht, aber ich freue mich trotzdem sehr darüber 🙂

  1. Pekka Tarkka/Jukka-Pekka Saraste: Kapellimestari  (leider nur auf Finnisch erschienen) []
  2. zitiert nach Jukka-Pekka Saraste Der Chefdirigent aus dem hohen Norden []
  3. „Glücklich über gemeinsame Erfolge“ Jukka-Pekka Saraste verlängert Vertrag als Chefdirigent des WDR Sinfonieorchesters Köln []
  4. Wikipedia: 3. Sinfonie (Beethoven) – Scherzo (Allegro vivace) []

Wenn sich die Hand eines Menschen über seinesgleichen erhebt

Völkermorddenkmal Zizernakaberd in Jerewan
Völkermorddenkmal Zizernakaberd in Jerewan | Quelle: Wikimedia Commons

Jedes Jahr erinnern die Armenier am 24. April an ihre geschätzt weit über eine Million Landsleute, die ab dem Jahr 1915 einem der ersten Völkermorde im 20. Jahrhundert zum Opfer fielen.

Anlässlich des 95. Jahrestages im Jahr 2010 entstand im Auftrag des WDR das Werk Ubi est Abel frater tuus (Wo ist dein Bruder Abel?) des armenischen Komponisten Tigran Mansurjan, über dessen Entstehung der Komponist sagte1:

Das einsätzige, aus drei Hauptteilen nach dem Prinzip langsam – schnell – langsam bestehende Konzert wurde mir „diktiert“ vom geplanten Datum der Uraufführung am 24. April. Für alle Armenier ist dies der Gedenktag an die Opfer von 1915. Hierher rührt auch der Titel des Werkes „Ubi est Abel frater tuus?“. Diese Frage stellt sich jedes Mal, wenn sich die Hand eines Menschen über seinesgleichen erhebt. Ich habe versucht, diesem Konzert den Charakter eines Requiems zu geben; für mich habe ich den ersten Teil „Kyrie eleison“ genannt, den zweiten „Dies irae“ und den dritten „Lacrimosa“. Es ist den Uraufführungsinterpreten Jan Vogler und Semyon Bychkov gewidmet.

Die Uraufführung des Werks mit dem WDR Sinfonieorchester Köln und den Widmungsträgern, dem Cellisten Jan Vogler und dem vormaligen WDRSO-Chefdirigenten Semyon Bychkov, fand im Eröffnungskonzert der MusikTriennale am 24. April 2010 in der Kölner Philharmonie statt2:

Das Video kann nur auf YouTube angesehen werden. Die Wiedergabe auf anderen Websites wurde vom Rechteinhaber des Videos deaktiviert.

If a few words must be said about this piece, I would be content if attention were brought to the silences, especially of the silence underlying the question “Where is your brother Abel?”, as well as my feelings of respect toward this silence, and the absence of pathetic gestures, loud cries, shouts and calls in the music. I hope that my mother –up there, in that world– would be pleased that I wrote this piece,

so Tigur Mansurjan zur Intention seines Requiems3.

Das Unfassbare des Brudermords versucht Tigur Mansurjan nicht mit Feierlichkeit und expressiven musikalischen Ausbrüchen, sondern vor allem mit Phasen der Stille zu verarbeiten. Stille, in denen Unvorstellbares und die Frage „Wo ist dein Bruder Abel?“ umso lauter ins Bewusstsein dringen können.

  1. zitiert nach Schott Musik  []
  2. Meine Eindrücke von der Uraufführung am MusikTriennale-Premierenabend  habe ich hier festgehalten: Eröffnungskonzert MusikTriennale 2010: Im Wechselbad der Gefühle []
  3. zitiert nach klassic.com: Jan Vogler to premiere cello concerto by Tigran Mansurian (April 2010) []

„Sinfonie der 10.000“: Das WDR Sinfonieorchester in Japan 2014

WDR Sinfonieorchester Köln | Foto: © WDR/Kost
WDR Sinfonieorchester Köln | Foto: © WDR/Kost

Das WDR Sinfonieorchester ist wieder einmal unterwegs nach Japan. Bei seiner diesjährigen Reise hat es allerdings nur ein einziges Werk im Gepäck: die Sinfonie Nr. 9 d-moll op. 125 von Ludwig van Beethoven mit Schlusschor über Schillers Ode an die Freude.

Elf Mal wird das Orchester Daiku, wie die Japanerinnen und Japaner ihre absolute Lieblingssinfonie nennen, aufführen. Vom 7. bis 22. Dezember 2014 in Tokyo und Osaka unter der Leitung von Yutaka Sado, der das Orchester auch bereits als Gast in Köln dirigiert hat.

Was hat es mit Japan und der 9. Beethoven auf sich?

„Beethovens Neunte hat in Japan gerade im Dezember eine ganz besondere Bedeutung. Die wird da überall gespielt, 700- bis 800-mal“,

erklärt Siegwald Bütow, der Orchestermanager des WDRSO.

„Aber es ist in Asien nach wie vor etwas Besonderes, wenn ein deutsches Orchester kommt. Sozusagen, aus japanischer Sicht, aus der Wiege der Musik.“1

Gleich zu Beginn der Konzertreise wird es morgen, am 7. Dezember, ein bombastisches Auftaktkonzert geben: die Ode an die Freude wird in der Osaka-jō Hall mit einem riesigen Chor aus 10.000 Kehlen erklingen. Siegwald Bütow berichtet in einem WDR -2-Interview von seinen ersten Eindrücken dieses Großereignisses vor Ort:

„Die Japaner lieben es zu singen“

Zur Beliebtheit der Sinfonie in ihrem Heimatland hat auch WDRSO-Geigerin Keiko Kawata-Neuhaus im Interview mit WDR-Print Auskunft gegeben. Gesungen wird übrigens auf Deutsch, wie sie betont:

„[…] die fangen schon sechs Monate vorher an zu üben im Chor, und der deutsche Text wird tatsächlich phonetisch eingeübt. Meine Mutter konnte das auch, die konnte gar kein Deutsch – aber die Neunte konnte sie. […] Die Japaner lieben es zu singen. Vielleicht kommt das vom Karaoke. Japaner gehen nach der Arbeit in eine Karaoke-Bar, um beim Singen Stress loszuwerden. Das gibt es in Deutschland so nicht.“

Hier das vollständige Interview:

Wer mehr über die Japan-Reise des WDR Sinfonieorchesters wissen möchte, kann dem Orchester via Facebook folgen und/oder die WDR-3-Sendung TonArt hören (wochentäglich 15:05-17:45 Uhr), die über die Konzertreise berichten wird.

Sayonara, WDRSO! Gute Reise und viele schöne Konzerte!

  1. Das WDR Sinfonieorchester auf Konzertreise Heimspiel in Japan []

Ins Wochenende mit: Strauss und Bruckner

Ins Wochenende mit …

dem Konzert Nr. 2 für Horn und Orchester von Richard Strauss. Hier der erste Satz in einer Aufnahme mit dem legendären britischen Hornisten Dennis Brain und dem Philharmonia Orchestra unter der Leitung von Wolfgang Sawallisch.

Heute und morgen Abend wird das Hornkonzert in der Kölner Philharmonie zu hören sein, gespielt vom Solo-Hornisten des WDR Sinfonieorchesters, Paul van Zelm. Am Pult des Orchesters steht sein Chefdirigent Jukka-Pekka Saraste.

Im zweiten Teil des Konzerts „Widmungen“ spielt das WDR Sinfonieorchester die Sinfonie Nr. 7 von Anton Bruckner. Hierzu gibt es einen interessanten Audio-Beitrag mit Paul van Zelm und seinem WDRSO-Streicherkollegen Alfred Lutz, der hier angehört werden kann: WDR 3 Werkbetrachtung: Anton Bruckners 7. Sinfonie – Geburtsstunde des Weltruhms

Gestern war das WDR Sinfonieorchester bereits in Duisburg zu Gast, heute und morgen spielt es in der Kölner Philharmonie. Wie immer überträgt WDR 3 das Freitagskonzert ab 20:05 live. Anschließend kann es 30 Tage lang im WDR 3 Konzertplayer nachgehört werden. Wer mehr über das Konzert erfahren möchte, hier gibt es das Programmheft: Widmungen 27./28./29. 11. 2014 Duisburg/Köln

 

Ins Wochenende mit: Mozart und Strauss


Ins Wochenende mit …

dem Duett-Concertino für Klarinette, Fagott und Streichorchester mit Harfe von Richard Strauss, hier gespielt von Manfred Weise (Klarinette), Wolfgang Liebscher (Fagott) und der Staatskapelle Dresden, geleitet von Rudolf Kempe.

Heute Abend wird es im Sinfoniekonzert „Mozart und Strauss“ gespielt vom WDR Sinfonieorchester und seinem Solo-Klarinettisten Thorsten Johanns und Solo-Fagottisten Ole Kristian Dahl. Thorsten Johanns wird anschließend auch die Romanze Es-dur für Klarinette und Orchester von Strauss spielen. Als Gast steht der israelische Dirigent und Generalmusikdirektor am Nationaltheater Mannheim Dan Ettinger am Pult.

Mozart und Strauss
Mozart und Strauss | Bilder: Wikimedia Commons1

Umrahmt wird das Concertino von der sogenannten „kleinen“ und „großen“ g-moll Sinfonie von Wolfgang Amadeus Mozart. Die erstere, seine 25. Sinfonie (KV 183), schrieb er mit 17 Jahren, die 40. Sinfonie (KV 550) im Jahr 1788, drei Jahre vor Ende seines Lebens. Sie zählt zu den größten „Klassikern“ sinfonischer Musik überhaupt und war lange Zeit auch beliebter Handy-Klingelton. Wer mehr über diese Sinfonie erfahren möchte, empfehle ich die anschaulich erklärte WDR 3 Werkbetrachtung von David Marlow.

Für alle, die nicht vor Ort dabei sein können, überträgt WDR 3 das Konzert ab 20:05 Uhr live aus dem WDR Funkhaus Köln. Ab morgen kann das Konzert 30 Tage lang im WDR 3 Konzertplayer nachgehört werden. Weitere Infos zu den Stücken und Solisten sind im Programmheft zu finden.

  1. Bild von W. A. Mozart: Auschnitt aus einem Familienbildnis von Johann Nepomuk della Croce / Bild von R. Strauss: Bundesarchiv, Bild 102-00146A CC-BY-SA []

Tipps zum Wochenende: das WDR Sinfonieorchester im Radio und TV

Freitag, 7. November 2014

  • Vom 7. November bis 12. Dezember präsentiert der WDR-Hörfunk Michael Endes Roman „Die unendliche Geschichte“ als sechsteiliges Hörspiel u. a. mit Anna Thalbach, Hans Kremer und Mechthild Großmann. Die Hörspielmusik wurde vom WDR Sinfonieorchester in der Kölner Philharmonie aufgenommen. Das Hörspiel wird jeweils freitags von 14.05-15.00 Uhr bei WDR 5, im digitalen Radio und im Internet auf kiraka.de zu hören sein.

Samstag, 8. November 2014

WDRSO-Chefdirigent Jukka-Pekka Saraste | Foto: Frank Broede
WDRSO-Chefdirigent Jukka-Pekka Saraste | Foto: Felix Broede
  • Von 20:15-21:30 Uhr sendet 3sat einen Konzertmitschnitt vom 4. Oktober 2014 aus der Kölner Philharmonie. Dort führte das WDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Chefdirigent Jukka-Pekka Saraste gemeinsam mit dem NDR- und WDR-Rundfunkchor, Hanna-Elisabeth Müller (Sopran) und Andrè Schuen (Bariton) Ein deutsches Requiem op. 4 von Johannes Brahms auf. Infos über das Werk gibt es im Programmheft zum Konzert. Auf der Website des WDR Sinfonieorchesters sind außerdem Interviews mit Hanna-Elisabeth Müller und Andrè Schuen zu finden.

Sonntag, 9. November 2014

  • WDR 3 sendet von 10:05-12 Uhr das WDR 3 Sonntagskonzert mit Aufnahmen des WDR Sinfonieorchesters. Auf dem Programm stehen unter anderem die Ouvertüre zur Oper Iphigenie in Aulis von Christoph Willibald Gluck, Impressioni dal vero I von Gian Francesco Malipiero und die Sinfonische Suite aus der Bühnenmusik zu Elektra von Alphons Diepenbrock.

Martin Grubinger zu Gast beim WDR Sinfonieorchester Köln

Martin Grubinger im Konzert
Foto: CC Frank C. Müller

Diese Woche ist der – DER! – österreichische Schlagzeuger Martin Grubinger zu Gast beim WDR Sinfonieorchester Köln.

Er eröffnet die beiden Konzerte unter dem Titel BEAThoven am 29. und 30. Oktober mit dem für ihn 2012 vom chinesischen Komponisten Tan Dun  komponierten Konzert für Schlagzeug und Orchester The Tears of Nature.

Hier eine kleine Kostprobe aus einer Aufführung am 25. April 2014 mit den Wiener Symphonikern unter der Leitung von Krzysztof Urbanski  im Wiener Konzerthaus:

Wie am Konzerttitel unschwer zu erraten ist, gibt es im zweiten Teil des Konzerts etwas von Ludwig van Beethoven zu hören. Das WDR Sinfonieorchester spielt seine Sinfonie Nr. 7 A-dur op. 92 aus dem Jahr 1812. 1812 – da war doch was … richtig:

„Das Datum der begonnenen Partiturniederschrift ‚Sinfonie 1812, 13ten May‘ war in jeder Hinsicht historisch. Eine Woche darauf verpflichtete Napoleon die in Dresden versammelten Fürsten Deutschlands zur Teilnahme an seinem Überfall auf Russland.“ [Harry Goldschmidt: Beethoven. Werkeinführungen. Reclam, Leipzig 1975, S. 54f.]

Wer mehr zu den geschichtlichen Ereignissen und ihrem Zusammenhang mit Beethovens 7. Sinfonie wissen will, wird hier fündig:

Das WDR Sinfonieorchester Köln spielt das Werk diese Woche unter der Leitung von Eivind Aadland, mit dem das Orchester bei seinen CD-Produktionen des Werks von Edvard Grieg schon länger zusammenarbeitet.

Hier der 4. Satz der Sinfonie mit dem WDRSO dirigiert von seinem Chef Jukka-Pekka Saraste:

Das Konzert am Mittwochabend, 29. Oktober, überträgt WDR 3 ab 20:05 Uhr live aus der Bielefelder Rudolf-Oetker-Halle.

Am Donnerstag, den 30. Oktober, sind Martin Grubinger und das WDRSO in der Reihe PlanM@Philharmonie in Köln zu sehen und hören. Alle, die nicht vor Ort sind, können das Konzert ab 19 Uhr Uhr im Livestream verfolgen: PlanM@Philharmonie – BEAThoven.

Wer zu beiden Liveübertragungsterminen keine Zeit hat, kann das Konzert noch bis Ende November im WDR 3 Konzertplayer nachhören.

Programm 4. Sinfoniekonzert 1952 Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester, Leitung und Solist: Georg Solti

Boldog születésnapot, Georg Solti!

Sir Georg Solti | Foto: CC BY-SA 3.0 Allan Warren
Sir Georg Solti | Foto: CC BY-SA 3.0 Allan Warren

Am 21. Oktober 1912 wurde Georg Solti geboren, „einer der herausragendsten Dirigenten unseres Jahrhunderts und eine führende Gestalt im Musikleben Europas und der Vereinigten Staaten”.

In den 1950er-Jahren dirigierte er öfters auch das ehemalige Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester (heute WDR Sinfonieorchester Köln) und trat mit ihm gemeinsam auch als Klavier-Solist auf. So zum Beispiel im Januar 1952 beim 4. Sinfoniekonzert des Orchesters:

Programm 4. Sinfoniekonzert 1952 Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester, Leitung und Solist: Georg Solti
Programm 4. Sinfoniekonzert 1952 [aus: 50 Jahre Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester]
Hier aus diesem Konzert der zweite Satz aus Mozarts Klavierkonzert d-moll KV 466:

Über das bewegte und musikbegeisterte Leben Georg Soltis berichtete anlässlich seines 100. Geburtstags eine sehr interessante BR-Klassik-Dokumentation, die auch Aufnahmen der Probenarbeit mit ihm zeigt:

http://www.youtube.com/watch?v=TjOr9Bkxc7s

Alt & neu: Naturhorn und Waldhorn

#fotoprojekt2014 KW 42: Alt & neu

Alt & neu: Naturhorn und Waldhorn
#fotoprojekt 2014 KW 42: Alt & neu – Naturhorn und Waldhorn | Foto: WDRSOfan

Das Waldhorn in seiner heutigen Form hat im Orchester seit Mitte des 19. Jahrhunderts seinen Platz. Zuvor wurde auf sogenannten Naturhörnern gespielt. Allerdings konnten auf ihnen nur der Grundton und dessen Obertöne gespielt werden. Um verschiedene Tonarten spielen zu können, mussten Bögen mitgebracht und aufgesteckt werden, um das konische Rohr des Horns zu verlängern:

(Ziemlich großer) Koffer mit Naturhornbögen
(Ziemlich großer) Koffer mit Naturhornbögen | Foto: WDRSOfan

Erst seit unabhängig voneinander der Hornist und Instrumentenbauer Friedrich Blühmel und der Musiker Heinrich Stölzel im Jahr 1813 die Ventile erfanden und die ersten Ventilhörner gebaut wurden, konnten die Hornisten alle chromatischen Töne spielen, ohne zuvor umständlich mit Bögen hantieren zu müssen. Sie brauchten nur noch die (zunächst zwei, später drei) Ventile zu betätigen, um die Luft durch eine zusätzliche Rohrschleife zu leiten und die Luftsäule des Horns zu verlängern.

Seit Mitte der 1970er-Jahre kommen Naturhörner immer dann wieder zum Einsatz, wenn Musikstücke mit Instrumenten aus ihrer Epoche aufgeführt werden sollen (s. Historische Aufführungspraxis). So kann das Publikum auch heute noch ansatzweise nacherleben, wie zum Beispiel die Sinfonie Nr. 3 „Eroica“ von Ludwig van Beethoven geklungen haben mag.

So klingt das Horntrio im dritten Satz auf Naturhörnern gespielt von Ab Koster, Claude Maury und Knut Hasselmann, begleitet vom Orchestra of the 18th Century unter Frans Brüggen:

Und hier die Version auf Ventilhörnern, gespielt von Paul van Zelm, Rainer Jurkiewicz und (vermutlich, da beim Solo leider nicht im Bild) Ludwig Rast, begleitet vom WDR Sinfonieorchester Köln unter Jukka-Pekka Saraste:

http://www.youtube.com/watch?v=Bd4Tajxe0o8?start=158?end=182