Kategorie-Archiv: Instrumente

#fotoprojekt2014 KW 52: Besonderes

#fotoprojekt2014 KW 52: BESONDERES | spielbares Horn aus Fayence (Porzellan)
#fotoprojekt2014 KW 52: BESONDERES | spielbares Horn aus Fayence (Porzellan)

In der Werkstatt von Geert Jacobs aus Milsbeek entstehen nicht nur spielbare Hörner aus Porzellan, sondern auch andere Musikinstrumente aus Keramik, wie Geigen und Flöten. Sogar die weltweit einzige keramische Drehorgel stammt aus der Werkstatt des Niederländers. Hier eine kleine Hörprobe:

#fotoprojekt2014 KW 49: Märchen

#fotoprojekt2014 KW 49: Märchen | Insider für Streicher ;-)
#fotoprojekt2014 KW 49: Märchen | Insider für Streicher ;-)

Menschen, die ein Streichinstrument spielen, werden das im Bild versteckte Märchen der Gebrüder Grimm leicht erkennen. Allen anderen sei verraten, dass das Griffende am Bogen von Streichinstrumenten Frosch genannt wird:

„Mit dem Frosch wird der Haarbezug eines Streichbogens auf die nötige Spannung gebracht. Wie der Frosch zu seinem Namen gekommen ist, ist nicht sicher. Eine mögliche Erklärung ist die Tendenz zum Wegspringen, die Frösche älterer Bögen hatten, da sie nicht fest mit der Stange verbunden waren; ein anderer Grund könnte seine Form sein, die von der Seite betrachtet an einen sitzenden Frosch erinnert.“1

  1. violinorum.de []

#fotoprojekt2014 KW 47: Mein Freund der Baum

#fotoprojekt2014 KW 47: „Mein Freund der Baum“ ist jetzt ein Alphorn
#fotoprojekt2014 KW 47: „Mein Freund der Baum“ ist jetzt ein Alphorn

Ein Instrument, das seine Baum-Herkunft am wenigsten verleugnen kann, ist das Alphorn. Seine unten gebogene Form verdankte es ursprünglich tatsächlich Fichten, die am Hang krumm gewachsenen waren. Für den Alphornbau wurden sie geschält und der Länge nach halbiert. Heute wird ein Alphorn meist aus drei zusammensetzbaren Teilen gefertigt, und seine Schallbecherkrümmung entsteht nach zwar regional unterschiedlichen aber genormten Mustern.

Weit schallende Naturklänge

Wie das Naturhorn besteht es nur aus einem langen Rohr ohne Grifflöcher oder Ventile. Daher können auf ihm auch nur die Töne der Naturtonreihe geblasen werden, die manchmal ein wenig „schief“ klingen, aber je nach Umgebung bis zu 10 km weit zu hören sind.

Um unterschiedliche Tonarten spielen zu können, gibt es Alphörner in verschiedenen Längen und unterschiedlichen Grundtönen. Das mit 2,45 m kürzteste Alphorn hat den Grundton C, das längste mit 4,05 m den Grundton Es. Werden mehrere Alphörner zusammen gespielt, sollten alle dieselbe Länge/Tonart haben. Dann klingt der Alphornruf zum Beispiel so:

Alphorn goes Classic

Im klassischen Sinfonieorchester ist das Alphorn noch seltener zu Gast als das Saxophon, um das es hier im Blog zum 200. Geburtstag von Adolphe Sax kürzlich ging (Adolphe Sax und der seltene Gast im Sinfonieorchester). Aber die Welt der klassischen Musik wäre nicht so wunderbar, hätten sich nicht auch ihre Komponisten vom Klang des Alphorns inspirieren lassen. Allen voran Leopold Mozart, der seine Sinfonia pastorella in G für Alphorn und Streicher komponierte:

Den (im wahrsten Sinne des Wortes) romantischen Komponisten Johannes Brahms bewegte der Klang eines Alphorns am 12. September 1868 zu einer Liebesbotschaft per Postkarte an seine unerreichbare Geliebte Clara Schumann: „Also blus das Alphorn heut: Hoch aufm Berg, tief im Thal, grüß ich dich viel tausend mal!“ (hier gibt es ein Bild der Karte). Diese Alphornmelodie verewigte er im letzten Satz seiner 1. Sinfonie. Sein musikalischer Gruß hat also die Zeiten überdauert und erklingt – gespielt vom Solo-Horn – bei jeder Aufführung der Sinfonie. Hier spielen ihn Solo-Hornistin Stefanie Kopetschke und das NDR Sinfonieorchester unter Eiji Oue:

Alphorn goes Jazz

Musiker und Musikerinnen entdeckten das Alphorn aber auch für andere Musikrichtungen. Der russische Musiker Arkady Shilkloper zum Beispiel für den Jazz. Hier ist er bei einem Konzert in Novosibirsk mit dem Stück Torn Bag zu hören:

Auch die Schweizerin Eliana Burki spielt das Alphorn gerne jazzig und funkig und entführt es aus seinem gebirgigen Habitat auch mal an den Strand:

Wie ein Alphorn entsteht, hat der Bayerische Rundfunk in einem Film über die bayerischen Alphornbauer- und -spielerfamilie Biermaier festgehalten:

Das Gaisophon

Alfons Gaisbauer, Hornist im WDR Funkhausorchester, hat auf seiner Website www.alphorn.de nicht nur sehr viel Interessantes über das Alphorn geschrieben, er entwickelte auch das erste Alphorn mit Klappen und taufte es Gaisophon.

Wer noch mehr über das Alphorn wissen möchte, kann beim alphorn-center.de weiterlesen.

Adolphe Sax (1814-1894)

Adolphe Sax und der seltene Gast im Sinfonieorchester

Adolphe Sax (1814-1894)
Adolphe Sax (1814-1894) | Foto: Wikimedia Commons

Wer hier öfters vorbeischaut, wird schon bemerkt haben, dass ich einen ausgeprägten Hang zum Waldhorn habe. Diesem Favoriten folgt auf dem Fuße ein Instrument, das der Instrumentenbauer und Musiker Adolphe Sax, geboren am 6. November 1814 im belgischen Dinant, im Jahr 1842 erfand: das Saxophon.

Einige Komponisten klassischer Musik räumten dem Instrument, das Sax im Jahr 1846 zum Patent anmeldete, sogleich einen Platz in ihren Werken ein. Allerdings blieb das Blechinstrument, das wegen seines Rohrblattmundstücks zu den Holzblasinstrumenten zählt, im Sinfonieorchester eher ein seltener Paradiesvogel.

An seinem wunderbaren Klang, der eine ganze Palette an Ausdrucksmöglichkeiten von Melancholie bis zur heiteren Ausgelassenheit bereithält, kann es wohl nicht gelegen haben. Hier ein paar Beispiele von Komponisten, die die klanglichen Effekte des Neulings einzusetzen wussten:

saxophone Georges Bizet im Intermezzo seiner L’Arlesienne Suite Nr. 2:

saxophone Maurice Ravel und Leopold Stokowski in ihren Orchestrierungen von Modest Mussorgskys Bilder einer Ausstellung – Das alte Schloß:

saxophone Sergeij Rachmaninow in seinen Sinfonischen Tänzen (aus deren erstem Satz übrigens die Erkennungsmelodie der WDR-Wissensshow Quarks & Co. stammt):

Eine umfangreiche Übersicht über Werke für Saxophon in der klassischen Musik gibt es beim International Music Score Library Project (IMSLP): List of Compositions Featuring the Saxophone.

Große Karriere machte das Saxofon statt im klassischen Orchester im Jazz. Aber das ist eine andere Geschichte 😉

„Bridge of Harmony“ im Music Land

Im Jahr 1935 versuchte Walt Disney mit dem Kurzfilm Music Land aus seiner Reihe Silly Symphonies, eine Brücke zu schlagen zwischen dem Land of Symphony und der Isle of Jazz. Die beiden sind getrennt durch die Sea of Discord, und das Verhältnis zwischen der Cello-Königin und dem Saxophon-König ist denkbar schlecht. Ihre Kinder jedoch, die Violin-Prinzessin und der Saxophon-Prinz, die wenig Gefallen an den jeweiligen musikalischen Darbietungen am eigenen Hofe finden, verlieben sich … seht selbst, was das Schicksal und die Partitur von Leigh Harline für sie bereithält:

Noch mehr zu(m) Sax

Interessantes und Wissenswertes zum Saxophon, seinem Erfinder und seiner Rolle in der klassischen Musik:

Zum Sehen:

  • Die Sesamstraße zeigt in etwas mehr als 2 Minuten, wie ein Saxophon entsteht:

Zum Lesen:

Alt & neu: Naturhorn und Waldhorn

#fotoprojekt2014 KW 42: Alt & neu

Alt & neu: Naturhorn und Waldhorn
#fotoprojekt 2014 KW 42: Alt & neu – Naturhorn und Waldhorn | Foto: WDRSOfan

Das Waldhorn in seiner heutigen Form hat im Orchester seit Mitte des 19. Jahrhunderts seinen Platz. Zuvor wurde auf sogenannten Naturhörnern gespielt. Allerdings konnten auf ihnen nur der Grundton und dessen Obertöne gespielt werden. Um verschiedene Tonarten spielen zu können, mussten Bögen mitgebracht und aufgesteckt werden, um das konische Rohr des Horns zu verlängern:

(Ziemlich großer) Koffer mit Naturhornbögen
(Ziemlich großer) Koffer mit Naturhornbögen | Foto: WDRSOfan

Erst seit unabhängig voneinander der Hornist und Instrumentenbauer Friedrich Blühmel und der Musiker Heinrich Stölzel im Jahr 1813 die Ventile erfanden und die ersten Ventilhörner gebaut wurden, konnten die Hornisten alle chromatischen Töne spielen, ohne zuvor umständlich mit Bögen hantieren zu müssen. Sie brauchten nur noch die (zunächst zwei, später drei) Ventile zu betätigen, um die Luft durch eine zusätzliche Rohrschleife zu leiten und die Luftsäule des Horns zu verlängern.

Seit Mitte der 1970er-Jahre kommen Naturhörner immer dann wieder zum Einsatz, wenn Musikstücke mit Instrumenten aus ihrer Epoche aufgeführt werden sollen (s. Historische Aufführungspraxis). So kann das Publikum auch heute noch ansatzweise nacherleben, wie zum Beispiel die Sinfonie Nr. 3 „Eroica“ von Ludwig van Beethoven geklungen haben mag.

So klingt das Horntrio im dritten Satz auf Naturhörnern gespielt von Ab Koster, Claude Maury und Knut Hasselmann, begleitet vom Orchestra of the 18th Century unter Frans Brüggen:

Und hier die Version auf Ventilhörnern, gespielt von Paul van Zelm, Rainer Jurkiewicz und (vermutlich, da beim Solo leider nicht im Bild) Ludwig Rast, begleitet vom WDR Sinfonieorchester Köln unter Jukka-Pekka Saraste:

http://www.youtube.com/watch?v=Bd4Tajxe0o8?start=158?end=182

Saxophon

#fotoprojekt 2014 KW 40: Ausnahme

Saxophon
Ausnahme: Das Saxophon ist zwar aus Blech, zählt wegen seines Rohblattmundstücks aber zu den Holzblasinstrumenten

Vor 100 Jahren entwickelten die Musikethnologen Erich Moritz von Hornbostel und Curt Sachs den Versuch einer Systematik der Musikinstrumente. Sie erweiterten die bis dahin bestehende Einteilung der bekannten europäischen Instrumente derart, dass auch Instrumente aus anderen Kulturen klassifiziert werden konnten.

Die Hornbostel-Sachs-Systematik 1 gliedert primär nach der Art der Tonerzeugung, anschließend nach Spielweise und Bau der Instrumente. Da das von Adolphe Sax im Jahr 1840 erfundene und nach ihm benannte Saxophon mit einem Rohrblatt angeblasen wird,  zählt es innerhalb der Blasinstrumentenfamilie zu den Holzbläsern, und nicht, wie sein metallener Korpus vermuten lässt, zu den Blechblasinstrumenten.

Literaturangaben
1 Erich M. von Hornbostel, Curt Sachs: Systematik der Musikinstrumente. Ein Versuch. (PDF) In: Zeitschrift für Ethnologie. Bd. 46, 1914, Nr. 4–5, S. 553–590.

#fotoprojekt2014 KW 34: Zwischendurch


#fotoprojekt2014 KW 34: ZWISCHENDURCH muss man am Horn die Wasserklappe betätigen, sonst gurgelts

Während des Spielens von Blasinstrumenten entsteht Kondenswasser, das zwischendurch aus dem Instrument entfernt werden muss. Wenn’s ganz schnell gehen muss, wird dazu am Waldhorn die Wasserklappe betätigt, die sich am tiefsten Punkt des Rohres befindet.

Wie man das gesamte Kondenswasser aus dem Waldhorn entfernt, ist hier zu sehen – und ja: es ist tatsächlich überwiegend Wasser und nicht Spucke, wie meist angenommen wird und es die englische Bezeichnung spit valve nahelegt:

PS: Hier ging es übrigens schon mal um die Elemente eines Waldhorns, dort sind auch die (Stimm-)Züge genauer zu sehen, die im obigen Video ausgeleert werden.

#fotoprojekt2014 KW 32: Elemente


#fotoprojekt2014 KW 32: ELEMENTE eines Waldhorns

Wer genauer wissen möchte, worum es sich handelt:

Einzelteile eines Waldhorns
Einzelteile eines Waldhorns: 1 – Mundrohr; 2 – Stimmbogen; 3 – Anstoß; 4 – Zwinge; 5 – Stengel; 6 – Verschraubung; 7 – Schallbecher; 8 – Maschine; 9 – Ventilbögen; 10 – Fingerhaken | Foto: Berndt Meyer/Wikimedia Commons

Der Fingerhaken ist im oberen Bild nicht zu sehen, dafür liegt noch das Mundstück neben dem Mundrohr 😉