Kategorie-Archiv: Hinter den Kulissen

„Sinfonie der 10.000“: Das WDR Sinfonieorchester in Japan 2014

WDR Sinfonieorchester Köln | Foto: © WDR/Kost
WDR Sinfonieorchester Köln | Foto: © WDR/Kost

Das WDR Sinfonieorchester ist wieder einmal unterwegs nach Japan. Bei seiner diesjährigen Reise hat es allerdings nur ein einziges Werk im Gepäck: die Sinfonie Nr. 9 d-moll op. 125 von Ludwig van Beethoven mit Schlusschor über Schillers Ode an die Freude.

Elf Mal wird das Orchester Daiku, wie die Japanerinnen und Japaner ihre absolute Lieblingssinfonie nennen, aufführen. Vom 7. bis 22. Dezember 2014 in Tokyo und Osaka unter der Leitung von Yutaka Sado, der das Orchester auch bereits als Gast in Köln dirigiert hat.

Was hat es mit Japan und der 9. Beethoven auf sich?

„Beethovens Neunte hat in Japan gerade im Dezember eine ganz besondere Bedeutung. Die wird da überall gespielt, 700- bis 800-mal“,

erklärt Siegwald Bütow, der Orchestermanager des WDRSO.

„Aber es ist in Asien nach wie vor etwas Besonderes, wenn ein deutsches Orchester kommt. Sozusagen, aus japanischer Sicht, aus der Wiege der Musik.“1

Gleich zu Beginn der Konzertreise wird es morgen, am 7. Dezember, ein bombastisches Auftaktkonzert geben: die Ode an die Freude wird in der Osaka-jō Hall mit einem riesigen Chor aus 10.000 Kehlen erklingen. Siegwald Bütow berichtet in einem WDR -2-Interview von seinen ersten Eindrücken dieses Großereignisses vor Ort:

„Die Japaner lieben es zu singen“

Zur Beliebtheit der Sinfonie in ihrem Heimatland hat auch WDRSO-Geigerin Keiko Kawata-Neuhaus im Interview mit WDR-Print Auskunft gegeben. Gesungen wird übrigens auf Deutsch, wie sie betont:

„[…] die fangen schon sechs Monate vorher an zu üben im Chor, und der deutsche Text wird tatsächlich phonetisch eingeübt. Meine Mutter konnte das auch, die konnte gar kein Deutsch – aber die Neunte konnte sie. […] Die Japaner lieben es zu singen. Vielleicht kommt das vom Karaoke. Japaner gehen nach der Arbeit in eine Karaoke-Bar, um beim Singen Stress loszuwerden. Das gibt es in Deutschland so nicht.“

Hier das vollständige Interview:

Wer mehr über die Japan-Reise des WDR Sinfonieorchesters wissen möchte, kann dem Orchester via Facebook folgen und/oder die WDR-3-Sendung TonArt hören (wochentäglich 15:05-17:45 Uhr), die über die Konzertreise berichten wird.

Sayonara, WDRSO! Gute Reise und viele schöne Konzerte!

  1. Das WDR Sinfonieorchester auf Konzertreise Heimspiel in Japan []

Scharren und Fingertrommeln: wie im Orchester applaudiert wird

Applaudierendes Publikum
Applaudierendes Publikum | Quelle: Wikimedia Commons

Der Applaus während und nach Sinfoniekonzerten ist ein beliebtes Thema. Im Blog von Orchestrasfan ging es erst kürzlich in der Kolumne der Kulissenmaus: Applaus darum, wie unterschiedlich das Publikum hierzulande und anderswo nach einem Konzert applaudiert. Der Geiger Daniel Hope schrieb dazu auch bereits einen Artikel (Klatsch-Kulturen: Andere Länder, anderer Applaus) und sogar ein ganzes Buch (Wann darf ich klatschen1 ).

Im Sinfoniekonzert applaudiert am Ende aber nicht nur das Publikum. Wer mal auf einem Platz hinter dem Orchester sitzt und gut aufpasst, kann erkennen, dass die Musikerinnen und Musiker im Orchester sich während des Konzerts auch gegenseitig applaudieren, wenn jemandem eine Solostelle schön gelungen ist.

Lautloses Bravo zwischendurch

Bei den Bläserinnen und Bläsern wird dann zum Beispiel „gescharrt“. Je nachdem, ob anschließend eine laute oder leise Stelle kommt, wird kurz, schnell und leise mit einem Fuß über den Boden geschabt oder, wenn selbst das zu laut wäre, ein Bein angehoben und mit dem Fuß gewackelt. Wenn die Applaudierenden selbst weiterspielen müssen und dennoch „Beifall klatschen“ möchten, entfällt das Wackeln mit dem Fuß und es wird nur rasch das Bein gehoben [kein Wortwitz intendiert ;-)]. Eine andere Variante des lautlosen Applaudierens ist, mit den Fingern einer Hand aufs Knie zu trommeln.

Schlussapplaus des Orchesters

Zum Schluss eines Instrumentalkonzerts und am Ende des gesamten Konzerts applaudiert das Orchester oft auch „offiziell“. Wenn es SolistInnen und DirigentInen Beifall spenden möchte, schlagen die Streicherinnen und Streicher symbolisch mit ihren Bögen auf die vor ihnen stehenden Pulte. Damit diese keinen Schaden nehmen, wird aber kurz vor der tatsächlichen Berührung gestoppt. Hornisten applaudieren, indem sie ihr Horn mit dem Schalltrichter nach oben drehen und mit einer Hand (ebenfalls symbolisch) auf den Trichter schlagen. Die übrigen Kolleginnen und Kollegen applaudieren meist „manuell“, genau wie das Publikum.

 „Mit einer Hand kannst du nicht applaudieren“, heißt es in Japan – im Orchester geht es daher mit Fingern, Bein und Fuß.

  1. Daniel Hope, Wann darf ich klatschen?, 2010 []
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„Wie gestochen“: Was vom Notenstechen übrig blieb

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Finale – einst vom Notenstecher gesetzt, heute mit der gleichnamigen Software

„Wie gestochen“ hört man ab und zu noch, wenn über eine Arbeit gesprochen wird, die besonders sorgfältig und perfekt ausgeführt wurde. Mehr als diese (allerdings auch schon seltene) Redewendung in unserem Sprachgebrauch ist vom Beruf Notenstecher nicht erhalten geblieben.

Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt dieses mittlerweile historische Berufsbild so:

„Notenstecher/innen übertrugen Musiknoten, Musikzeichen und Texte durch Einstechen und Einschlagen auf Weichmetallplatten, die dann als
Druckform verwendet wurden.

Wie viele Takte sind auf einer Seite unterzubringen? Wo will man Wiederholungen und Wendestellen platzieren? Welcher Zeilenabstand ist
sinnvoll? Wo wird Platz für Texteintragungen benötigt? Das mussten Notenstecher/innen zuerst festlegen, bevor sie mit einem fünfzinkigen
Gerät – dem Rastral – die fünf Notenzeilen in die Stichplatte einritzten. Die bestand aus einer (nicht ganz ungiftigen) Legierung aus Blei, Zinn
und Antimon. Mit einem Stahlgriffel übertrugen sie nun das komplette Manuskript – seitenverkehrt, von rechts nach links.“

Noch mehr dazu hier: Tätigkeitsbeschreibung von Notenstecher/Notenstecherin

Gestochen scharf

Allen die sich jetzt trotzdem nicht genau vorstellen können, wie Noten vor den Zeiten von Software und Computer aufs Papier kamen, empfehle ich diese interessante Filmdokumentation aus dem G. Henle Verlag:

Einband der Urtext-Ausgaben aus dem G. Henle Verlag
Henle-Einband | Quelle: Verlagsarchiv/Wikipedia

Der Henle-Verlag ist auf Urtextausgaben spezialisiert, und wer im Besitz von Noten klassischer Musik ist, kennt wahrscheinlich die traditionell taubenblauen Einbände.

Als erster deutscher Musikverlag
betreibt er übrigens ein hochinteressantes Experten-Blog. Dort informieren Henle-Programmleiter Dr. Norbert Gertsch und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem musikwissenschaftlichen Lektorat jeden zweiten Montag „knapp und verständlich über alle Aspekte rund um den Urtext der großen Klassiker“ und beantworten Fragen zu den Notentexten. Außerdem kann man den Aktivitäten des Henle-Verlags auch bei Facebook und YouTube folgen.

Daumen hoch! 😉

„Jansons reist – Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in Südamerika“ in der BR-Mediathek (Screenshot 7.11.2013)

Filmtipp: Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in Südamerika

Hauptsache gut verpackt! Instrumente auf Reisen | Foto: stromo/Wikimedia Commons

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks war im Frühjahr 2014 auf Tournee in Südamerika und den Vereinigten Staaten. Begleitet wurde es vom Journalisten Eckhart Querner und vom Kameramann Peter Gillemot. In ihrem Film „Jansons reist – Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in Südamerika“ haben sie festgehalten, wie eine Orchestertournee mit 120 Musikerinnen und Musikern abläuft. Der erste Teil des Titels irritiert ein wenig, da sich der Film nur an wenigen Stellen ausschließlich um den Chefdirigenten des BRSO, Mariss Jansons, dreht.

Von Wassergläsern, Steaks und grandiosen Konzerten

Wer wissen möchte, wie der Orchesteralltag auf Reisen aussieht und mit welchen Höhen und Tiefen das Orchester, Chefdirigent Jansons, Solistin Mitsuko Uchida und die Orchesterinspizienten während der Tournee konfrontiert waren, kann dies in 44 lebendig erzählten Minuten miterleben:

„Jansons reist – Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in Südamerika“ in der BR-Mediathek (Screenshot 7.11.2013)
„Jansons reist – Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in Südamerika“ in der BR-Mediathek (Screenshot 7.11.2013)

BR Fernsehen

Das Bayerische Fernsehen wiederholt den Film, der erstmals am 6. November um 23:25 Uhr gesendet wurde, am Sonntag, 9. November 2014, um 8:40 Uhr. Im Anschluss folgt der Mitschnitt des Konzerts des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks aus dem Teatro Colón in Buenos Aires.

BR Mediathek

Wer den Film später noch sehen möchte, muss sich beeilen, denn er ist nur noch bis zum 12. November 2014 in der BR-Mediathek  zu sehen. Dass er dann depubliziert werden muss und nicht mehr zur Verfügung steht, verdanken wir den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Bundesländer, die diese 7-Tage-Regelung im 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag beschlossen haben.

Daheim und in der Welt zu Hause

Nicht nur das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, auch die anderen ARD-Rundfunksinfonieorchester gehen regelmäßig auf Tournee. Warum?
Sie zählen nicht nur hierzulande, sondern weltweit zu den Spitzenorchestern, die von internationalen Konzertveranstaltern gerne eingeladen werden. Bei ihren Tourneen sind sie als Kulturbotschafter unseres Landes unterwegs und erleben als Orchestergemeinschaft intensive Proben- und Konzerterfahrungen, von denen anschließend auch das Publikum zu Hause profitiert. Mit anderen Worten: Tourneen schweißen zusammen und formen die kollektive Erfahrung eines Klangkörpers. Dazu gehört leider auch die Erkenntnis, dass ein Orchester wie das BRSO zu Hause nur von Konzertsälen wie in Argentinien oder Brasilien träumen kann …

Das WDR Sinfonieorchester Köln tourte übrigens im Jahr 2000 vom 15.-27. November mit seinem damaligen Chefdirigenten Semyon Bychkov und dem Klaviersolisten Lev Alexander Vinocour durch Südamerika und Mexiko: Klassik meets Samba – das WDR Sinfonieorchester Köln auf Südamerika-Tournee.

Die nächste Konzertreise wird es mit dem Dirigenten Yutaka Sado vom 6.-23. Dezember 2014 nach Japan unternehmen. Im Gepäck die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven.

aus: Michael Ende, Die unendliche Geschichte ((Michael Ende, Die unendliche Geschichte von A bis Z mit Buchstaben und Bildern versehen von Roswitha Quadflieg, Stuttgart, 1979, S. 18))

„Die unendliche Geschichte“: Neue Hörspielfassung mit dem WDR Sinfonieorchester

aus: Michael Ende, Die unendliche Geschichte
aus: Michael Ende „Die unendliche Geschichte“ von A bis Z mit Buchstaben und Bildern versehen von Roswitha Quadflieg 1

 

Vom 7. November bis 12. Dezember präsentiert der WDR-Hörfunk Michael Endes Roman „Die unendliche Geschichte“ als sechsteiliges Hörspiel u. a. mit Anna Thalbach, Hans Kremer und Mechthild Großmann. Genau 35 Jahre nach Erscheinen des Buches wird das Hörspiel jeweils freitags von 14.05-15.00 Uhr bei WDR 5, im digitalen Radio und im Internet auf kiraka.de zu hören sein.
Mehr dazu hier: „Die unendliche Geschichte“ in neuer Hörspielfassung.

„Die unendliche Geschichte“ in der Kölner Philharmonie

Das WDR Sinfonieorchester spielte unter der Leitung von David Marlow die Musik von Felix Rösch zur neuen Hörspielfassung in der Kölner Philharmonie ein (im Trailer – leider nur sehr kurz – ab Minute 2:00):

Mehr über die Produktion der neuen Hörspielfassung ist in dieser Multimedia-Reportage zu sehen und zu hören: Die unendliche Geschichte – ein Hörspiel in sechs Teilen.

Literaturangaben
1 Michael Ende, Die unendliche Geschichte von A bis Z mit Buchstaben und Bildern versehen von Roswitha Quadflieg, Stuttgart 1979, S. 18.

Hinter Orchester-Kulissen: Grieg-CD-Produktion mit dem WDRSO, Herbert Schuch und Eivind Aadland

Stage door | Foto: cc James Butler/flickr
Foto: cc James Butler/flickr

Gemeinsam mit dem Pianisten Herbert Schuch hat das WDR Sinfonieorchester Köln unter der Leitung des Dirigenten Eivind Aadland eines der bekanntesten Klavierkonzerte aufgenommen, mit dem auch sein Komponist den Durchbruch erlangte: das Klavierkonzert a-moll des norwegischen Komponisten Edvard Grieg.

Während der Produktion entstand dieses Video, das einen Einblick hinter die Kulissen der Aufnahme gewährt:

E. Grieg: Complete Symphonic Works, Vol. IV, Herbert Schuch, WDRSO, Eivind Aadland, Audite

Das Klavierkonzert ist gemeinsam mit Griegs Sinfonie Nr. 1 c-moll auf der CD “E. Grieg: Complete Symphonic Works, Vol. IV” beim Label Audite erschienen.

Mit dem Dirigenten Eivind Aadland hat das WDRSO bereits vier CDs mit Werken von Edvard Grieg eingespielt. Wer noch mehr über die Zusammenarbeit erfahren möchte: Solo-Klarinettist Thorsten Johanns und die stellvertretende Solo-Cellistin Susanne Eychmüller berichten darüber im Interview Im Dienste der Musik”.

Stage door | Foto: cc James Butler/flickr

Hinter Orchester-Kulissen: Was macht eine Notenkorrektorin?

Stage door | Foto: cc James Butler/flickr
Foto: cc James Butler/flickr

In loser Folge stellt Orchestrasfan in ihrem gleichnamigen Blog Berufe „hinter dem Orchester“ vor. Sie befragt dazu Menschen, die dafür sorgen, dass die Arbeit rund ums Sinfonieorchester reibungslos stattfinden kann, was genau sie tun.

Mehr dazu hier: Orchestrasfan – Was macht eigentlich …

Notenmaterial spielbar machen

Nun war ich an der Reihe der Befragten und habe ihr unter anderem erzählt, wozu es NotenkopistInnen braucht und was es mit dem Einrichten von Orchesterstimmen auf sich hat. Zunächst wollte Orchestrasfan aber wissen:

„Was muss ich mir unter Notenkorrektorat und Notenkopistentätigkeit vorstellen?

Unter dem Begriff Notenkopistentätigkeiten sind Arbeitsschritte zusammengefasst, die erforderlich sind, um Notenmaterial zu erstellen und/oder für ein Konzert spielbar zu machen. Dazu gehört – ganz im wörtlichen Sinn – das Kopieren von Noten, aber auch das Korrigieren von Fehlern und das sogenannte Einrichten von Orchestermaterial, bei dem unter anderem die Spielanweisungen des jeweiligen Dirigenten in jede Stimme eingetragen werden.

Die Kopistentätigkeiten stammen aus Zeiten, in denen es keine andere Möglichkeit der Vervielfältigung von Literatur oder Noten gab, als sie mit der Hand abzuschreiben. Eine Sinfonie von Mozart konnte zum Beispiel nur aufgeführt werden, wenn die Stimmen für die einzelnen Musiker zuvor aus der Partitur herauskopiert, sprich abgeschrieben, wurden.“

Orchesterstimmen einrichten | Foto: WDRSOfan
Orchesterstimmen einrichten | Foto: WDRSOfan

Wer mehr erfahren und das ganze Interview lesen möchte, bitte hier entlang:
„Was macht eigentlich eine Notenkorrektorin?“ – Interview von Orchestrasfan mit Musikwissenschaftlerin Birgit Schmidt-Hurtienne alias WDRSOfan.